Ebenso traditionsverbunden wie abenteuerlustig veranstaltet der Schachverein Seubelsdorf für seine Spieler und deren Angehörige alle Jahre wieder ein Sommerfest in näherer oder ferner Umgebung.
In diesem Jahr erkundeten die Denksportler am 18. Juli ein altehrwürdiges und zugleich quicklebendiges Denkmal, nämlich den Lichtenfelser Stadtteil Klosterlangheim. Dort fand sich eine erfreulich große Gruppe von 44 Personen am Heimatmuseum ein. Hans Richter begrüßte sie und stellte unter Beweis, warum ihm die Doppelfunktion als hochgeschätzter Ehrenvorsitzender des Schachvereins und amtierender Vorsitzender der Heimatfreunde Klosterlangheim e.V. auf den Leib geschnitten ist: Unterstützt von Albert Gersch und Josef Motschenbacher nahm er seine Gäste mit auf die Reise in eine Ära, in der Klosterlangheim als kirchliches, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der Region blühte. Anhand des detailfreudig liebevoll gestalteten Modells im Museum zeigte Richter, wie schmuck und zweckvoll zugleich das vormalige Zisterzienserkloster mit Kirche und Kapellen, Kapitelsälen und Verwaltungsgebäuden, Mühlen, Schmiede und Brauerei gestaltet war. In lebendiger Rede, die vom Vorschulkind bis zum Hochschullehrer allen Beteiligten naheging, erzählte Richter von bewegenden Schicksalen und Leistungen – etwa von Abt Mauritius Knaur, dem wir den Hundertjährigen Kalender verdanken, von harter Arbeit und Weltabgeschiedenheit, von wachsendem Reichtum und Amtsenthebung wegen Prunksucht und nicht zuletzt vom Ringen um politische Unabhängigkeit des Klosters, das auf tragische Weise endete: Kaum war die Reichsunmittelbarkeit erlangt, fiel Klosterlangheim Anfang des 19. Jahrhunderts der Säkularisation zum Opfer. Kein anderes kirchliches Gut in Bayern wäre nach der Übernahme durch den Staat so gründlich auseinandergenommen worden; von der großen Hauptkirche sei nur ein Stein erhalten geblieben. Fünftausend Menschen hätten damit auf einen Schlag ihre Arbeit verloren, und es sei ihnen nicht zu verdenken, dass sie im wirtschaftlichen Überlebenskampf die noch stehenden Sakralbauten als Ställe und Lager verwendet hätten. Andererseits habe sich so der Geist der Aufklärung mit seinen Idealen der Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit auch im Leuchsental breitmachen können. Und Klosterlangheimer „Außenposten“ wie der seinesgleichen suchende Rundbau Nassanger und die nach wie vor beliebte Basilika Vierzehnheiligen spiegelten heute noch den Glanz der verschollenen Abtei wider.
Beim anschließenden Rundgang durch das Dorf brachte Richter immer wieder zum Staunen darüber, wie viel von den Klosteranlagen verschwunden ist – und wie so einiges doch noch bewahrt werden konnte. Besonders beeindruckende Stationen waren dabei die im zisterziensischen Geist restaurierte jetzige Dorfkapelle und die Katharinenkapelle, die als entkernte Baustelle immerhin jenen einzigen verbliebenen wappengeschmückten Stein der Hauptkirche trägt und deren gemaserte Mauern vom Zusammenhang mit dem verschwundenen Gesamtkomplex zeugen. Richter selbst erwies sich dabei als wandelnde Zeitgeschichte: Im ehemaligen Ökonomiehof, den nun Landwirte, Touristen und Hühner bevölkern, habe er 1986 bei einem Fototermin einen Großbrand ausbrechen sehen und danach, um seinen Amtsgeschäften im Lichtenfelser Landratsamt nachzugehen, die Feuerwache in einem der betroffenen Räume nur wenige Stunden vor dessen verheerendem Einsturz verlassen. So könne er sich heute für den Erhalt des Klosterlangheimer Museums einsetzen, das für die gesamte Region einen einzigartigen Gedächtnisort bedeute und auch zur lebendigen Gemeinschaft des Ortes beitrage. „Deswegen heißt es ja auch nicht Kannseum, sondern Musseum“, scherzte an dieser Stelle Schriftführer und frisch ernanntes Ehrenmitglied Prof. Dr. Uwe Voigt.
An diesem Museum wieder in der Gegenwart eines freundlichen Sommerabends angekommen, wurden die Pilger durch Raum und Zeit von Bierbänken nebst Speis und Trank erwartet. Zu diesem geselligen Teil gehörte auch die Ehrung der Sieger im Vereinsturnier, allen voran Maximilian Kühnberger, der sich den Gesamtsieg ganz zuletzt in einem Duell mit Vorjahressieger Moritz Fiedler gesichert hatte. Fiedler wiederum wurde zweiter als und Jugendmeister geehrt; da es keine Doppelpreise gab, ging die Silbermedaille an Clemens Hanschkow. Bronze holt sich Paul Buron. Die Jugendwertung komplettierten Jakob Worm auf Rang 2und Jan Hoffmann auf Rang 3.
Eine Ehrung erhielten zudem diejenigen Spieler, die in der Oberfränkischen U-14-Mannschaftsmeisterschaft den Meistertitel für Seubelsdorf aus dem Vorjahr verteidigt haben: Moritz Fiedler, Julian Schmuck, Jonathan Hewera, Jan Hoffmann, Erik Wittek und Sebastian Umlauf.
Für sein Engagement erhielt Hans Richter vom Verein ein kleines Präsent als Dankeschön. So konnte das Sommerfest allen Beteiligten zufolge sehr gelungen auch mit diversen Spielen – darunter sogar Schach – ausklingen.
Uwe Voigt
Bildquelle: Karl Hewera
Bildunterschrift: Kluge Züge vor Klostermauern
