Wunsiedel Schachfestival 2007 – 2016

Das Internationale Wunsiedel Schachfestival wurde von 2007 bis 2016 jährlich in Wunsiedel (Oberfranken) ausgetragen. Initiator und Turnierorganisator war Ludwig Zier. Nach der 10. Austragung 2016 wurde das Festival beendet; für 2017 wurde bewusst eine Pause angekündigt, aus der keine Fortsetzung mehr entstand.
Hier ist eine Chronik des Internationalen Wunsiedler Schachfestivals (2007–2016).
| Jahr | Festival | Termin | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| 2007 | 1. Internationales Wunsiedler Schachfestival | 17.–20. Mai | Premiere des Festivals unter der Leitung von Ludwig Zier. Meister- und Amateurturnier etablierten das neue Format. |
| 2008 | 2. Festival | 1.–4. Mai | Deutlich gestiegenes Teilnehmerfeld mit zahlreichen internationalen Titelträgern. |
| 2009 | 3. Festival | 21.–24. Mai | Das Festival entwickelte sich zu einem festen Bestandteil des deutschen Turnierkalenders. |
| 2010 | 4. Festival | 13.–16. Mai | Weitere Internationalisierung mit Großmeistern aus mehreren europäischen Ländern. |
| 2011 | 5. Festival | 2.–5. Juni | Jubiläumsausgabe mit erneut stark besetztem Meisterturnier. |
| 2012 | 6. Festival | 17.–20. Mai | Rekordbeteiligung in mehreren Wertungsklassen. |
| 2013 | 7. Festival | 9.–12. Mai | GM Rainer Buhmann gewann das Meisterturnier mit 5½ Punkten vor IM Oliver Mihók und GM Boris Chatalbashev. FM Alexander Seyb sorgte mit einem hervorragenden Turnier für Aufsehen. |
| 2014 | 8. Festival | 29. Mai–1. Juni | GM Jewgenij (Evgeny) Romanow gewann vor IM Alexander Deltschew und GM Normunds Miezis. Acht Spieler erreichten punktgleich 5½ Punkte – die Feinwertung entschied. |
| 2015 | 9. Festival | 14.–17. Mai | GM Arturs Neikšāns gewann ein außergewöhnlich ausgeglichenes Turnier, in dem acht Spieler punktgleich an der Spitze lagen. |
| 2016 | 10. Festival | 5.–8. Mai | Jubiläumsausgabe. GM Grzegorz Gajewski siegte vor GM Rainer Buhmann und GM Sipke Ernst Werle. Das Amateurturnier gewann Purevdorj Davaademberel. Anschließend endete die Geschichte des Festivals nach zehn erfolgreichen Austragungen. |
Bedeutung des Festivals
Das Wunsiedler Schachfestival entwickelte sich innerhalb eines Jahrzehnts zu einem der stärksten viertägigen Schach-Open Deutschlands. Regelmäßig nahmen über 100 Spieler aus mehr als zehn Nationen teil, darunter zahlreiche Großmeister und Internationale Meister. Parallel zum Meisterturnier wurde stets ein Amateurturnier ausgetragen. Organisator und Motor der Veranstaltung war der blinde Internationale Fernschachmeister Ludwig Zier, der das Festival 2007 ins Leben rief.

10. Wunsiedel-Schachfestival (05. Mai – 08. Mai 2016)
Endtabellen Meisterturnier / Amateurturnier


GM Gajewski und Purevdorj Davaademberel sind die Gewinner des Wunsiedler Schachfestivals
Es ist vollbracht. Das 10. Internationale Wunsiedler Schachfestival 2016 ist in vielerlei Hinsicht erfolgreich über die Bühne gegangen.
Wenn man die Ergebnisse der ersten drei Bretter im Meisterturnier betrachtet, könnte sich der Gedanke „Alles remis, wieder mal schnell geschoben“ aufdrängen. Das mag in den vergangenen Jahren ab und zu der Fall gewesen sein, dieses Jahr trifft es aber nicht zu. Alle drei Partien dauerten mindestens zwei Stunden. Gajewski teilte mit IM Fedorovsky den Punkt. Kurz darauf einigten sich auch IM Nagy und GM Buhmann auf ein Remis. GM Delchev verteidigte sich hartnäckig und so blieb GM Vovk nach 84 Zügen nichts anderes übrig als ins Remis einzuwilligen. GM Feller, der sich nach seiner Niederlage in der 5. Runde durch einen Sieg gegen IM Troyke wieder ans 4. Brett vorkämpfen konnte, musste eine bittere Niederlage gegen IM Frank Zeller hinnehmen. Zeller stand die ganze Partie über mindestens leicht besser. Einen groben Fehler Fellers im 47. Zug nutzte er konsequent aus und entschied die Partie für sich. Für Feller, Startnummer 4, endete das Turnier ohne Hoffnung auf eine Platzierung in den Preisrängen.
IM Irina Bulmaga, die einzige Dame an den übertragenen Brettern, musste sich GM Werle geschlagen geben, der sich dank besserer Feinwertung am Schluss auf Platz 3 wieder fand. Das Turnier konnte durch seinen soliden Auftritt GM Gajewski mit 6 Punkten für sich entscheiden. Die restlichen Top Ten wurden aufgrund der gleichen erreichten Punktzahl ( alle 5 1/2) nach der Buchholz- und den anderen Feinwertungen festgelegt. Die beste Buchholzwertung hatte GM Buhmann, der somit den 2. Platz belegte. Buhmann wird demnächst auch bei den Dortmunder Sparkassen Chess Meeting zu sehen sein, wo er sich u.a. mit Kramnik, Caruana und Vachier-Lagrave messen wird. Bester Jugendlicher U18 wurde GM Rambaldi. Den Preis für die beste Dame konnte die deutsche Olympionikin Filiz Osmanodja durch einen Sieg in der letzten Runde gegen GM Pap mit nach Hause nehmen. Best Senior wurde GM Jakob Meister.
Im Amateurturnier wurde die Partie an Brett 1 sehr schnell mit einem Remis beendet. Somit kam Purevdorj Davaademberel auf 6 Punkte. Da Arnd Kretzschmar durch einen Sieg gegen Frank Fritsche ebenfalls auf 6 Punkte kam, musste der bis dato führende Mongole noch einmal zittern. Am Ende entschied ein halber Buchholzpunkt über den Turniersieg und zugunsten von Davaademberel. Platz 3 belegte der Däne Hans Endrup Jacobsen mit 5 1/2 Punkten. Da es bei unserem Turnier keine Doppelpreise zu gewinnen gibt, bekam den Preis für den besten Spieler U18 (eigentlich Arnd Kretzschmar) Oliver Mönius, der ihn sich mit 5 Punkten auf Platz 8 aber auch redlich verdient hatte. Nach dem gleichen Prinzip wurde Winfried Bartsch bester Senior im Amateurturnier (eigentlich Hans Endrup Jacobsen). Bartsch erreichte 5 Punkte und belegte den 9. Platz.
Die Siegerehrung startete pünktlich um 15 Uhr mit einer Rede von Turnierorganisator Ludwig Zier, der sich bei allen Teilnehmern für ihre Treue zu unserem Turnier und ihr faires Verhalten bedankte. Die LGA, unser Hauptsponsor, war durch Jürgen Zeitler vertreten. Auch der Wunsiedler Bürgermeister Karl- Willi Beck richtete einige Worte (auch auf Englisch für die vielen internationeln Besucher!) an die anwesenden Schachspieler. Zügig wurde im Anschluss die Siegerehrung vogenommen, da viele der Anwesenden noch eine lange Heimreise vor sich hatten.
Auch in dieserm Rahmen möchte ich mich im Namen des Turnierteams noch einmal für ein faires und schönes Turnier bedanken. 2017 wird es kein Turnier in Wunsiedel geben. Diese Verschnaufspause haben wir uns aber nach 10 Jahren auch verdient glücklich .
9. Wunsiedel-Schachfestival (14. Mai – 17. Mai 2015)
Endtabellen Meisterturnier / Amateurturnier

GM Arturs Neiksans gewinnt Wunsiedel Schachfestival 2015 vor GM Maiorov und GM Jones
Der lettische GM ist glücklicher Turniersieger des Schachfestivals in Wunsiedel. Er setzte sich mit 5,5 Punkten als Wertungsbester unter sage und schreibe acht punktgleichen Spielern durch. Platz zwei und drei gehen an GM Nikita Maiorov (Weißrussland) und GM Gawain Jones (England). Als bester Deutscher folgt GM Vitaly Kunin auf Rang 4. Bester Spieler in der U18-Wertung wurde IM Jan-Christian Schröder. Als beste Frau kam Sonja Bluhm auf Rang 36 ein. GM Jakob Meister gewann die Seniorenwertung mit 4,5 Punkten / Platz 24. Das Amateurturnier gewinnt Dr. Wolf Becke aus Hamburg vor Lennart Uphoff und Lutz Faber. Bester U18er wurde der Schweinfurter Alexander Brückner. Sabina Klinge wurde bestes Mädchen im Amateurturnier. Herzlichen Glückwunsch allen Gewinnern.
8. Wunsiedel-Schachfestival (29. Mai – 01. Juni 2014)
Endtabellen Meisterturnier / Amateurturnier

Großmeister Romanov gewinnt Wunsiedel 2014…
Die 8. Auflage des Internationalen Wunsiedel Schachfestival 2014 gewinnt GM Evgeny Romanov vor GM Aleksander Delchev und GM Normunds Miezis. Die Plätze 1 – 8 erreichten allesamt 5,5 Punkte.
7. Wunsiedel-Schachfestival (09. – 12. Mai 2013)
Endtabellen Meisterturnier / Amateurturnier

6. Wunsiedel-Schachfestival (17. – 20. Mai 2012)
Endtabellen Meisterturnier / Amateurturnier

5. Wunsiedel-Schachfestival (02. – 05. Juni 2011)
Endtabellen Meisterturnier / Amateurturnier

4. Wunsiedel-Schachfestival (13. – 16. Mai 2010)
Endtabellen Meisterturnier / Amateurturnier

3. Wunsiedel-Schachfestival (21. – 24. Mai 2009)
Endtabellen Meisterturnier / Amateurturnier

2. Wunsiedel-Schachfestival (01. – 04. Mai 2008)
Endtabellen Meisterturnier / Amateurturnier

1. Wunsiedel-Schachfestival (17. – 20. Mai 2007)
Endtabelle Meisterturnier
Wunsiedel Schachfestival 2007–2016
Zehn Jahre internationales Schach im Fichtelgebirge
Von Klaus Steffan
Zehn Jahre, zehn Turniere und unzählige Begegnungen am Schachbrett: Das Internationale Wunsiedel Schachfestival gehörte von 2007 bis 2016 zu den herausragenden Schachveranstaltungen in Oberfranken. Was zunächst als ambitioniertes neues Turnier begann, entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einem international beachteten Open, das Großmeister, Internationale Meister, Nachwuchstalente und Vereinsspieler aus Deutschland und zahlreichen anderen Ländern in die Festspielstadt Wunsiedel lockte.
Die Fichtelgebirgshalle wurde an den vier Turniertagen rund um Christi Himmelfahrt regelmäßig zum großen Treffpunkt der Schachszene. Dabei bestand der besondere Reiz des Wunsiedeler Festivals nicht allein in der Stärke der Spitzenspieler. Von Anfang an sollte Spitzenschach mit Breitenschach verbunden werden. Internationale Titelträger spielten unter einem Dach mit ambitionierten Amateuren und Vereinsspielern.
Genau diese Mischung wurde zu einem Markenzeichen des Turniers.
2007 – Der Beginn einer Erfolgsgeschichte
Vom 17. bis 20. Mai 2007 wurde das erste Internationale Wunsiedel Schachfestival ausgetragen.
Zu diesem Zeitpunkt konnte niemand wissen, dass daraus eine zehnjährige Turniertradition entstehen würde. Die Voraussetzungen waren jedoch günstig. Wunsiedel verfügte mit der Fichtelgebirgshalle über ein geeignetes Spiellokal, und hinter dem Turnier standen engagierte Organisatoren und Unterstützer, die den Mut hatten, ein größeres internationales Schachereignis in Oberfranken aufzubauen.
Schon die erste Auflage zeigte, welches Potenzial in der Idee steckte.
Wunsiedel sollte kein Turnier ausschließlich für die regionale Schachszene werden. Von Beginn an war der Anspruch größer: Ein internationales Open sollte entstehen, das starke Spieler nach Oberfranken holte und gleichzeitig den heimischen Schachfreunden die Gelegenheit gab, selbst Teil eines solchen Ereignisses zu sein.
Das Experiment gelang – und bereits ein Jahr später folgte die zweite Auflage.
2008 – Das Festival etabliert sich
Vom 1. bis 4. Mai 2008 wurde erneut in Wunsiedel gespielt.
Die zweite Auflage war für die Zukunft des Festivals von großer Bedeutung. Ein neues Turnier kann bei seiner Premiere von Neugier profitieren. Entscheidend ist jedoch, ob Spieler zurückkehren und sich die Veranstaltung dauerhaft im Turnierkalender etablieren kann.
Genau dies gelang in Wunsiedel.
Das Konzept entwickelte sich weiter und wurde schließlich durch die Aufteilung in Meisterturnier und Amateurturnier geprägt. Damit konnten Spieler unterschiedlicher Leistungsstärke unter guten sportlichen Bedingungen antreten.
Für die Organisatoren bedeutete die wachsende Resonanz zugleich mehr Arbeit. Teilnehmer mussten betreut, Paarungen erstellt, Ergebnisse veröffentlicht, Unterkünfte vermittelt und Kontakte zu Sponsoren, Stadt und Öffentlichkeit gepflegt werden.
Doch die Richtung stimmte.
2009 – Die Teilnehmerzahlen steigen
Das 3. Internationale Wunsiedel Schachfestival fand vom 21. bis 24. Mai 2009 statt.
Bereits zwei Wochen vor Turnierbeginn waren mehr als 100 Spieler angemeldet. Damit zeichnete sich früh ab, dass der bisherige Teilnehmerrekord von 116 Spielern aus dem Vorjahr übertroffen werden könnte.
Inzwischen hatte sich das Konzept klar herausgebildet: Im Meisterturnier spielten die stärkeren Teilnehmer, während das Amateurturnier den Spielern unterhalb der festgelegten Wertungsgrenze offenstand.
Das Ziel der Organisatoren wurde damit immer deutlicher:
Spitzenschach sollte auf Breitenschach treffen.
Gerade dieses Prinzip machte Wunsiedel attraktiv. Ein Vereinsspieler konnte wenige Meter neben einem Großmeister seine eigene Turnierpartie austragen. Nachwuchsspieler konnten internationale Titelträger unmittelbar erleben, analysieren und beobachten.
Das Schachfestival war nicht nur ein Wettkampf, sondern zunehmend auch ein Treffpunkt.
2010 – Wunsiedel wird zur festen Größe
Vom 13. bis 16. Mai 2010 folgte die vierte Auflage.
Spätestens jetzt konnte nicht mehr von einem Experiment gesprochen werden. Das Wunsiedel Schachfestival hatte sich im Turnierkalender etabliert.
Die Fichtelgebirgshalle bot den organisatorischen Rahmen, den ein wachsendes Open benötigte. Gleichzeitig profitierte das Turnier von seiner Lage: Wunsiedel war für Spieler aus Bayern, Sachsen, Thüringen und der Tschechischen Republik interessant und konnte darüber hinaus Teilnehmer aus vielen weiteren Regionen und Ländern gewinnen.
Auch die Berichterstattung über das Internet gewann zunehmend an Bedeutung. Ergebnisse, Tabellen, Fotos und aktuelle Meldungen machten es möglich, das Geschehen auch außerhalb der Fichtelgebirgshalle zu verfolgen.
Damit entwickelte sich Wunsiedel Schritt für Schritt von einem oberfränkischen Turnier zu einer Veranstaltung mit überregionaler und internationaler Ausstrahlung.
2011 – 167 Spieler aus 13 Ländern
Ein besonderer Meilenstein wurde bei der fünften Auflage vom 2. bis 5. Juni 2011 erreicht.
167 Teilnehmer aus 13 Ländern kamen nach Wunsiedel.
Damit war eindrucksvoll dokumentiert, wie stark das Festival innerhalb weniger Jahre gewachsen war.
Sportlich setzte sich im Meisterturnier der polnische Internationale Meister Jacek Stopa durch.
Der Preisfonds betrug 5.000 Euro. Zu den Unterstützern gehörten unter anderem die Sparkasse Hochfranken, die Stadtwerke Wunsiedel und die Stadt Wunsiedel.
Doch Zahlen und Preisgelder erzählen nur einen Teil der Geschichte.
Entscheidend war die Atmosphäre. Über vier Tage hinweg wurde Wunsiedel zu einem Treffpunkt von Schachspielern unterschiedlichster Herkunft und Spielstärke. Viele Teilnehmer kannten sich inzwischen aus den Vorjahren. Freundschaften entstanden, Stammgäste kamen wieder und das Festival entwickelte seinen eigenen Charakter.
Aus einem Turnier war eine Tradition geworden.
2012 – Die sechste Auflage
Vom 17. bis 20. Mai 2012 wurde die Erfolgsgeschichte fortgesetzt.
Das Grundkonzept hatte sich bewährt und musste nicht jedes Jahr neu erfunden werden. Meister- und Amateurturnier ermöglichten weiterhin eine sinnvolle Aufteilung des Teilnehmerfeldes.
Für viele Schachfreunde wurde Christi Himmelfahrt inzwischen mit einer einfachen Frage verbunden:
Fahren wir wieder nach Wunsiedel?
Genau darin zeigte sich der Erfolg des Festivals. Ein Turnier lebt langfristig nicht nur von Großmeistern oder Preisgeldern, sondern von den Spielern, die Jahr für Jahr zurückkommen.
Diese Stammgäste bildeten gemeinsam mit den immer wieder neu hinzukommenden Teilnehmern das Fundament des Wunsiedeler Erfolgs.
2013 – Sieben Jahre Wunsiedel
Die siebte Auflage wurde vom 9. bis 12. Mai 2013 ausgetragen.
Inzwischen konnte das Festival auf eine bemerkenswerte Entwicklung zurückblicken. Aus der Premiere von 2007 war ein international bekanntes Schachereignis geworden.
Für die oberfränkische Schachszene hatte das Turnier eine besondere Bedeutung. Internationale Meister und Großmeister musste man nicht mehr nur bei großen Veranstaltungen in deutschen Metropolen erleben. Sie kamen nach Wunsiedel.
Gerade für Nachwuchsspieler und ambitionierte Vereinsspieler war dies eine seltene Gelegenheit. Sie konnten starke Titelträger aus nächster Nähe erleben und teilweise sogar selbst gegen sie antreten.
Wunsiedel hatte damit auch eine verbindende Funktion zwischen regionalem Vereinsschach und internationalem Turnierschach übernommen.
2014 – Acht Spieler punktgleich an der Spitze
Die achte Auflage vom 29. Mai bis 1. Juni 2014 wurde sportlich besonders spannend.
Das Meisterturnier war hervorragend besetzt. Mehr als 30 Titelträger wurden erwartet, und das Teilnehmerlimit lag bei 220 Spielern. Als Hauptsponsor konnte inzwischen die LGA Nürnberg gewonnen werden. Der ausgeschriebene Preisfonds betrug 6.300 Euro.
An der Spitze wurde es außergewöhnlich eng.
Nach sieben Runden hatten acht Spieler jeweils 5,5 Punkte erreicht.
Damit mussten die Feinwertungen über den Turniersieg entscheiden.
Am Ende gewann GM Evgeny Romanov vor GM Aleksander Delchev und GM Normunds Miezis.
Selbst zwischen den drei Erstplatzierten war die Entscheidung derart knapp, dass erst weitere Feinwertungen die endgültige Reihenfolge bestimmten.
Zu den prominenten Teilnehmern gehörte auch Liviu-Dieter Nisipeanu, einer der stärksten deutschen Großmeister jener Zeit.
Die achte Auflage demonstrierte eindrucksvoll, welches sportliche Niveau das Wunsiedeler Festival inzwischen erreicht hatte.
2015 – Acht Spieler mit 5,5 Punkten
Auch das 9. Wunsiedel Schachfestival vom 14. bis 17. Mai 2015 brachte ein außergewöhnlich enges Rennen um den Turniersieg.
Erneut erreichten acht Spieler 5,5 Punkte.
Den Turniersieg holte sich aufgrund der besten Feinwertung der lettische Großmeister Arturs Neiksans.
Auf Platz zwei folgte GM Nikita Maiorov, Dritter wurde der englische Großmeister Gawain Jones. Bester Deutscher war GM Vitaly Kunin auf Rang vier.
Auch die Sonderwertungen unterstrichen die internationale und generationenübergreifende Zusammensetzung des Feldes. IM Jan-Christian Schröder wurde bester U18-Spieler, während GM Jakob Meister die Seniorenwertung gewann.
Im Amateurturnier setzte sich Dr. Wolf Becke aus Hamburg vor Lennart Uphoff und Lutz Faber durch.
Nach neun Jahren stand Wunsiedel damit unmittelbar vor einem besonderen Jubiläum.
2016 – Das große Finale
Vom 5. bis 8. Mai 2016 wurde das 10. Internationale Wunsiedel Schachfestival ausgetragen.
Und zum Jubiläum erreichte das Turnier noch einmal eine neue Dimension.
261 Teilnehmer kamen nach Wunsiedel – 142 Spieler im Meisterturnier und 119 im Amateurturnier.
Allein das Meisterturnier bot eine beeindruckende Besetzung:
15 Großmeister, 9 Internationale Meister und 18 weitere Titelträger waren am Start.
Damit erlebte die Fichtelgebirgshalle zum Abschluss noch einmal Schachsport auf einem Niveau, das man zu Beginn der Turnierserie 2007 kaum hätte vorhersehen können.
Eröffnet wurde das Jubiläumsturnier vom ehemaligen Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich.
Der garantierte Preisfonds war inzwischen auf 8.100 Euro angewachsen. Neben der LGA Nürnberg als Hauptsponsor unterstützten unter anderem Sparkasse, Stadtwerke und Stadt Wunsiedel die Veranstaltung.
Sieben Runden wurden nach Schweizer System gespielt.
Und auch sportlich wurde das Finale dem Jubiläum gerecht.
Gajewski gewinnt die zehnte Auflage
Vor der Schlussrunde war noch vieles offen.
An den Spitzenbrettern wurde hart gekämpft. Der polnische Großmeister Grzegorz Gajewski remisierte gegen IM Fedorovsky und erreichte damit insgesamt sechs Punkte.
Das genügte zum Turniersieg.
GM Grzegorz Gajewski gewann das zehnte Wunsiedel Schachfestival mit 6 Punkten.
Dahinter entschied erneut die Feinwertung.
GM Rainer Buhmann belegte den zweiten Platz, GM Jan Werle wurde Dritter.
Bester Jugendlicher U18 wurde GM Francesco Rambaldi. Den Preis für die beste Dame gewann die deutsche Nationalspielerin Filiz Osmanodja, bester Senior wurde GM Jakob Meister.
Auch im Amateurturnier fiel die Entscheidung äußerst knapp.
Purevdorj Davaademberel und Arnd Kretzschmar kamen beide auf sechs Punkte. Gerade einmal ein halber Buchholzpunkt entschied schließlich zugunsten von Davaademberel.
Dritter wurde der Däne Hans Endrup Jacobsen mit 5,5 Punkten.
Damit waren auch bei der letzten Auflage Spannung und Dramatik bis zum Ende garantiert.
Die letzte Siegerehrung
Am Sonntagnachmittag begann die Siegerehrung.
Turnierorganisator Ludwig Zier bedankte sich bei den Spielern für ihre langjährige Treue und das faire Verhalten während des Turniers.
Auch die Sponsoren und die Stadt Wunsiedel waren vertreten. Bürgermeister Karl-Willi Beck richtete seine Worte angesichts des internationalen Teilnehmerfeldes teilweise auch auf Englisch an die Gäste.
Es war eine Siegerehrung wie in den Jahren zuvor – und doch war sie etwas Besonderes.
Denn mit der zehnten Auflage endete zunächst eine Ära.
Für 2017 wurde kein weiteres Turnier angekündigt. Nach zehn Jahren gönnte sich das Organisationsteam eine wohlverdiente Pause.
Aus dieser Pause wurde schließlich das Ende der Turnierserie.
Was Wunsiedel besonders machte
Der Erfolg des Schachfestivals lässt sich nicht allein anhand der Siegerlisten erklären.
Natürlich waren die Großmeister wichtig. Namen wie Gajewski, Buhmann, Jones, Neiksans, Romanov, Delchev, Miezis, Nisipeanu und viele weitere sorgten für sportliche Qualität.
Doch das eigentliche Erfolgsrezept war ein anderes.
Wunsiedel brachte Spitzen- und Breitenschach zusammen.
Am einen Brett kämpfte ein internationaler Großmeister um den Turniersieg, wenige Meter entfernt spielte ein Amateur seine vielleicht wichtigste Turnierpartie des Jahres.
Jugendliche trafen auf erfahrene Spieler. Vereinsspieler begegneten Titelträgern. Teilnehmer aus Oberfranken saßen Spielern aus zahlreichen Ländern gegenüber.
Alle gehörten für vier Tage zu demselben Turnier.
Eine organisatorische Gemeinschaftsleistung
Eine zehnjährige Turnierserie dieser Größenordnung entsteht nicht von selbst.
Hinter den Kulissen mussten jedes Jahr unzählige Aufgaben erledigt werden: Ausschreibungen, Anmeldungen, Teilnehmerlisten, Paarungen, Ergebnisdienst, Pressearbeit, Internetauftritt, Sponsorenbetreuung, Technik, Turnierleitung und die Betreuung der Spieler.
Mit dem Festival verbunden waren insbesondere Ludwig Zier und Familie Zier sowie Klaus Steffan, daneben zahlreiche Helfer, Unterstützer und Sponsoren.
Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt Wunsiedel war ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltung.
Über die Jahre entwickelte sich ein eingespieltes Team, ohne das eine solche Turnierserie nicht möglich gewesen wäre.
Das Internet wird zum Teil des Turniers
Die Jahre 2007 bis 2016 waren gleichzeitig eine Zeit, in der sich die Berichterstattung über Schachturniere grundlegend veränderte.
Internetseiten, digitale Ergebnisdienste, Fotos und Liveübertragungen der Spitzenbretter wurden zunehmend selbstverständlich.
Auch Wunsiedel ging diesen Weg.
Die Spitzenpartien konnten im Internet verfolgt werden. Teilnehmerlisten und Ergebnisse standen online zur Verfügung. Berichte und Fotos transportierten die Atmosphäre aus der Fichtelgebirgshalle weit über Oberfranken hinaus.
Für Steffans Schachseiten war das Festival deshalb weit mehr als nur ein Turnier, über das berichtet wurde.
Über Jahre entstand eine umfangreiche Dokumentation mit Berichten, Tabellen und Bildern.
Heute bilden diese Unterlagen ein Stück oberfränkischer Schachgeschichte.
Zehn Turniere – eine Ära
Von der Premiere 2007 bis zum Rekordfestival 2016 hatte sich vieles verändert.
Die Teilnehmerfelder wurden größer.
Die internationale Beteiligung nahm zu.
Immer mehr Titelträger kamen nach Wunsiedel.
Der Preisfonds wuchs.
Die Internetberichterstattung wurde professioneller.
Doch eine Sache blieb über alle zehn Jahre gleich: der Charakter des Festivals als Treffpunkt für Schachspieler unterschiedlichster Spielstärke.
Das war vielleicht das größte Vermächtnis von Wunsiedel.
Die zehn Austragungen
1. Wunsiedel Schachfestival
17.–20. Mai 2007
2. Wunsiedel Schachfestival
1.–4. Mai 2008
3. Wunsiedel Schachfestival
21.–24. Mai 2009
4. Wunsiedel Schachfestival
13.–16. Mai 2010
5. Wunsiedel Schachfestival
2.–5. Juni 2011
Sieger Meisterturnier: IM Jacek Stopa
6. Wunsiedel Schachfestival
17.–20. Mai 2012
7. Wunsiedel Schachfestival
9.–12. Mai 2013
8. Wunsiedel Schachfestival
29. Mai–1. Juni 2014
Sieger Meisterturnier: GM Evgeny Romanov
9. Wunsiedel Schachfestival
14.–17. Mai 2015
Sieger Meisterturnier: GM Arturs Neiksans
10. Wunsiedel Schachfestival
5.–8. Mai 2016
Sieger Meisterturnier: GM Grzegorz Gajewski
Sieger Amateurturnier: Purevdorj Davaademberel
Vom Experiment zur Institution
Als 2007 die ersten Uhren in der Fichtelgebirgshalle gestartet wurden, war nicht abzusehen, welche Entwicklung das Wunsiedel Schachfestival nehmen würde.
Zehn Jahre später standen 261 Teilnehmer aus dem In- und Ausland in den Ergebnislisten der Jubiläumsausgabe.
Dazwischen lagen Tausende Schachpartien, zehn Eröffnungen, zehn Schlussrunden, zehn Siegerehrungen – aber vor allem zahllose persönliche Begegnungen.
Viele Spieler kamen nicht nur wegen des Preisfonds oder der sportlichen Herausforderung nach Wunsiedel. Sie kamen wieder, weil sie das Turnier kannten und weil sie Menschen wiedertrafen, die sie vielleicht genau ein Jahr zuvor an gleicher Stelle gesehen hatten.
So entsteht Turniertradition.
Ein Stück oberfränkische Schachgeschichte
Mit dem Ende des Wunsiedel Schachfestivals 2016 verschwand eine Veranstaltung, die das Schachleben in Oberfranken ein Jahrzehnt lang entscheidend mitgeprägt hatte.
Das Festival bewies, dass ein international stark besetztes Open nicht zwingend in einer deutschen Großstadt stattfinden musste.
Für zehn Jahre wurde die kleine Festspielstadt Wunsiedel zu Christi Himmelfahrt zu einem Mittelpunkt des internationalen Turnierschachs.
Großmeister kamen ins Fichtelgebirge.
Amateure spielten Seite an Seite mit Titelträgern.
Junge Talente sammelten Erfahrungen.
Stammgäste kehrten Jahr für Jahr zurück.
Organisatoren, Helfer und Sponsoren sorgten dafür, dass aus einer Idee eine zehnjährige Tradition werden konnte.
Das Internationale Wunsiedel Schachfestival 2007–2016 war damit mehr als eine Serie von zehn Schachturnieren.
Es war eine Ära.
Und es bleibt ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte des oberfränkischen Schachs.