Zwar kann sich SVS 1 in dieser Saison nicht dauerhaft an der Tabellenspitze der Schachbezirksliga etablieren, scheint dafür aber eine andere wichtige Rolle zu spielen: diejenige der Königsmacherin. Zumindest haben zwei der kurz vor Schluss führenden Mannschaften wertvolle Punkte bei der Seubelsdorfer Ersten geholt: neben SK Kulmbach 1 nun auch ATSV Oberkotzau 1 – wenngleich beide Male ebenso knapp wie spannend.
Dabei schien das Match zunächst in eine andere, für die Schachfreunde aus Lichtenfels günstige Richtung zu gehen: An Brett 6 inszenierte Andrej Schumacher einen munteren Reigen der taktischen Sticheleien, die zunächst aber dank beidseitiger kleiner Ungenauigkeiten nur zum Ausgleich führten. Schließlich erlag sein Gegner Ivan Shkondin jedoch einer Verlockung: Warum sollte es schlecht sein, mit einem Damenschach in die feindliche Königstellung einzuschlagen? Schumacher fand die Antwort: Weil die gegnerische Dame daraufhin im Abseits hilflos zuschauen musste, wie er seinerseits ihrem Gemahl zu Leibe rückte.
Der Oberkotzauer Anschlusstreffer folgte aber auf dem Fuß: Zwar duldete auch Bojana Hofmann an Brett 8 fremden Damenbesuch auf ihrem Königsflügel, aber weder mit Absicht noch mit guten Folgen. Die schwungvolle Initiative, die sie frühzeitig gegen Walter Schmidt ergriffen hatte, war binnen weniger Züge ins Gegenteil umgeschlagen. Abgelenkt von einer mächtigen Bauernwalze im Zentrum hatte die Seubelsdorferin einem Mattangriff nichts entgegenzusetzen.
Ein weiteres, in der Schachwelt leider immer noch seltenes Duell der Geschlechter stellte den Gleichstand wieder her: An Brett 4 erhielt Matthias Bergmann von Christina Leuchsenring großen Raumvorteil im Zentrum, baute ihn konsequent aus und verschaffte seinen Steinen dadurch immer günstigere Felder. Als ihm eine kleine Kombination dann auch noch eine Mehrfigur einbrachte, war die Partie gelaufen.
Doch erneut schlug Oberkotzau schnell zurück. Marko Hofmann wies an Brett 3 ein keckes Gambit ab und stellte sich zunächst flexibel auf. Sehr mühen musste sich zur gleichen Zeit Clemens Hanschkow an Brett 5, nachdem er einen seiner Türme auf ein ungünstiges Feld platziert hatte, um einen Bauern zu schützen. Dennoch gelang es ihm bis ins Endspiel immer wieder, das Gleichgewicht zu halten. In der Zwischenzeit hatte Hofmann seinem Kontrahenten das Läuferpaar überlassen und öffnete dann auch noch die Stellung. Bald marschierte ein unheildrohendes Freibauernpaar auf ihn zu, das Felix Schindler mit einem klassischen Qualitätsopfer unaufhaltsam werden ließ. Unterdessen hatte Hanschkow ebenfalls sein Schicksal besiegelt – mit einem einzigen Zug, der im Endspiel alle seine Bauern auf die Felderfarbe des feindlichen Läufers bannte, was Hannes Hertel weidlich ausnutzte.
Am ersten Brett parierte Jürgen Gegenfurtner einen ungestümen Flankenvorstoß, indem er sich gelassen entwickelte und dabei nicht in die Karten schauen ließ. Nebenbei gelang es Gegenfurtner, Igor Shashkin das Rochaderecht zu rauben. Zwar war damit das Spiel noch lange nicht entschieden, doch der dadurch entstandene psychologische Druck zahlte sich aus, als der Seubelsdorfer Spitzenspieler durch ein Scheinopfer in ein gewonnenes Turmendspiel abwickeln konnte.
Bei nur noch zwei laufenden Partien war Seubelsdorf damit bis auf einen Punkt wieder an Oberkotzau herangekommen. Eine Hälfte davon steuerte Tizian Wagner an Brett 2 bei. Mit Hans Hertel war er dort in eine Eröffnung geraten, die für ihre Ausgleichstendenzen bekannt ist und in der die Remisbreite auch diesmal nicht überschritten wurde. In der Partie von Maximilian Kühnberger an Brett 7 wollte sich allerdings nicht einmal der zweite zum Ausgleich fehlende halbe Punkt einstellen. Durch eine ungünstige Abwicklung verlor er schon frühzeitig einen Bauern an Rudolf Fraaß, der auch noch das Läuferpaar sein Eigen nennen durfte und sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen ließ.
Mit dem denkbar knappen Endergebnis von 3,5:4,5 gegen eine führende Mannschaft hält Seubelsdorf seinen vierten Tabellenplatz, um von dort aus in der nächsten und letzten Runde sinnigerweise gegen einen weiteren Titelaspiranten, SC Bamberg 3, anzutreten.
Uwe Voigt
Bildunterschrift: Matthias Bergmann spielte konsequent nach vorne

