… oder Mann gegen Mann, wie es im Soundtrack zur Boxerschmonzette Rocky IV heißt? Oder in unserem Fall Nord gegen Süd im fränkischen Übergangsgebiet zwischen Thüringen und Bayern? Die Antwort lautet: Wenn sich Sonneberg und Seubelsdorf begegnen, prallen keine testosteronhaltigen Muskelbatzen aufeinander. Vielmehr setzen sich Schachfreunde gemeinsam für einen denksportlich-fairen Wettbewerb ein, über alle Gräben hinweg. Dies war schon vor der Wiedervereinigung so und hat sich auch noch nicht geändert, seitdem der Landkreis Sonneberg zu einem blauen Fleck auf der politischen Landkarte geworden ist. Schachlich haben die Sonneberger ihre Heimat ohnehin seit einiger Zeit im oberfränkischen Schachbezirk gefunden und sind von dort aus in der vorletzten Saison sogar in die Regionalliga aufgestiegen. Von dort kehrten sie abgeschlagen wieder zurück – ein Erlebnis, das SVS 1 ebenfalls schon hinter sich hat. Beim Auswärtsspiel am 8. 2. 2026 wartete daher eine erfahrene, aber von Spielen auf hohem Niveau mit weiten Anfahrten auch erschöpfte Sonneberger Crew auf die Seubelsdorfer Erste.
Gegen Marko Hofmann wollte Franz Geisensetter an Brett 6 mit Schwarz auf Nummer sicher gehen und wählte ein Abspiel, das auf Englisch als „Bankangestellten-Variante“ bekannt ist. Allerdings kam es diesmal zu einem Crash: Während Geisensetter sich unter Zeitverlust einigelte, entwickelte sich Hofmann ruhig weiter. So kam sein Angriff nach Rochaden auf unterschiedliche Flügel zuerst in Fahrt. Kaum hatte die Partie richtig angefangen, erzielte Hofmann daher auch schon einen schwungvollen Abschluss: klassisches Läuferopfer mit unabwendbaren Mattdrohungen.
Matthias Bergmann nahm ein solides Bauernzentrum am vierten Brett zuerst von den Flanken her unter Beschuss, um dann kräftig mit Bauer und Springer in der Mitte vorzustoßen. Klaus Rierl vermochte ihm zwar eine Qualität abzuluchsen, doch bewahrte Bergmann eine so starke Initiative, dass er aus einer Position der Stärke heraus den Punkt teilen konnte. Die gleiche Struktur und ähnliche Manöver gab es an Brett 8 zu sehen. Hier tasteten sich Maximilian Kühneberger und John Hermann jedoch so vorsichtig ab, dass das Remis ohne größere Verwicklungen zustande kam. Und da alle guten Dinge bekanntlich drei sind, brachte auch Clemens Hanschkow denselben Positionstyp auf das fünfte Brett, allerdings mit Weiß und einem beherzten Vorstoß am Königsflügel. Uwe Neugebauer parierte dies gelassen, und auch hier wurde zuletzt Frieden geschlossen.
Mit einer kecken Flankeneröffnung hatte sich ebenfalls Kilian Mager an Brett 6 auseinanderzusetzen. Zunächst gelang es ihm, die positionellen Schwächen auszubeuten, die sich Karl-Heinz Jacob zugefügt hatte. Die entscheidende Gewinnkombination suchte der Seubelsdorfer Vereinsvorsitzende mit hohem Zeitaufwand vergebens, was sich entscheidend bemerkbar machte, als sein Opponent zu immer kräftigerem Gegenspiel kam und schließlich Magers Blättchen fiel.
Damit stand es zwischen Seubelsdorf und Sonneberg wieder ausgeglichen, bei nur noch drei laufenden Partien. Und diese hatten es in sich:
An Brett 7 wogte das Geschehen zwischen Andrej Schumacher und Michael Cronn lange Zeit hin und her. Als Cronn seine Figuren beeindruckend, aber wenig wirkungsvoll am Damenflügel aufmarschieren ließ, wandte Schumacher seine Aufmerksamkeit der Königsseite zu und konnte dadurch in ein gewonnenes Endspiel abwickeln.
Jürgen Gegenfurtner erlangte am Spitzenbrett nach wenigen Zügen durch eine kleine Kombination das Läuferpaar in einer offenen Stellung. Damit übte er beständigen Druck auf die Stellung von Christopher Hartleb aus, dem es aber glückte, in ein Endspiel mit ungleichen Läufern abzuwickeln, das für keine Seite mehr zu gewinnen war.
Alle Augen richteten sich nun auf die alles entscheidende Partie am zweiten Brett, wo es zwischen Tizian Wagner und Mikhail Sofronov hoch herging. Sofronov zog zunächst seine Figuren zu einem gefährlichen Königsangriff zusammen, zögerte aber an einigen entscheidenden Stellen und gestattete es Wagner dadurch, die Schärfe aus dem Spiel zu nehmen und eine ausgleichssichernde Gegenoffensive auf dem Damenflügel zu starten. In großer Zeitnot hörte Sofronov damit auf, die Partie mitzuschreiben, was Wagner zweimal beim zuständigen Schiedsrichter monierte. Dies war der Sonneberger Mannschaftsführer Christopher Hartleb, der sich hier streng an die Regeln hielt: Beim ersten Mal verhängte er über seinen eigenen Spieler eine Zeitstrafe und beim zweiten Mal entschied er die Partie zugunsten von Wagner – eine Entscheidung, die in ihrer sportlichen Fairness so nicht überall selbstverständlich gewesen wäre.
Damit gewann Seubelsdorf mit 5:3 Punkten, kletterte auf den dritten Tabellenplatz und sicherte sich für diese Saison den Klassenerhalt.
Bildunterschrift: Blick in den Spielsaal
Bildquelle: Kilian Mager
Uwe Voigt
