Berichte – 3. GM-Tage 2006

  1. Großmeistertage in der Pulvermühle beginnen am Freitag mit festlichen Eröffnungsfeier

Stelldichein der internationalen Schachstars – Vorbericht

Am Freitagabend fällt der Startschuss zur dritten Auflage der Internationalen Fränkischen Großmeistertage in der Pulvermühle. Auf der Gästeliste der Eröffnungsfeier finden sich viele Spitzenfunktionäre der deutschen Schachszene. So wird Bundesturnierdirektor Ralph Alt aus München den Deutschen Schachbund (DSB) vertreten. Er ist die höchste Autorität im Turnierschach und verantwortlich für die korrekte Durchführung der Bundesligen und internationalen Turniere, die im Zuständigkeitsbereich des Deutschen Schachbundes liegen. Der DSB, der die Großmeistertage auch finanziell seit der ersten Auflage im Jahr 2000 fördert, wird vom Bundesnachwuchstrainer IM Bernd Vökler komplettiert, der während der Großmeistertage einen Lehrgang des deutschen D/C-Kaders in der Pulvermühle durchführt. Vom Bayerischen Schachbund wird Präsident Dr. Norbert Münch aus Augsburg erwartet. Neben Turnierorganisator Prof. Dr. Thomas Bezold, der durch die Eröffnungsveranstaltung führen wird, vertritt Schirmherr Landrat Dr. Klaus-Günter Dietel die fränkischen Farben. Landsmannschaftliche Unterstützung erhält der schachbegeisterte Bayreuther Landrat dabei vom Präsidenten des Schachbezirks Oberfranken, Hans Blinzler, aus Kronach.

Im Zentrum der Eröffnungsfeier steht die naturgemäß die persönliche Vorstellung der zehn Großmeister. Dabei ist es gute Sitte in der Pulvermühle, dass die verschiedenen Turniersponsoren jeweils eine Patenschaft für einen Großmeister übernehmen und ihren Patenspieler dem Publikum persönlich in Form einer Kurzcharakteristik vorstellen.

Den Höhepunkt des Abends stellt zweifelsohne die Auslosung der Spielpaarungen dar, die von Bundesturnierdirektor Ralph Alt persönlich vorgenommen wird. Bekanntermaßen wird Rundensystem „Jeder gegen jeden“ gespielt. Die Zugelosten Eröffnungspartien versprechen dabei einen besonderen Reiz, gilt es doch für jeden Teilnehmer so gut wie möglich aus den Startblöcken zu kommen. Darüber hinaus legt die Auslosung auch die weiteren Aufeinandertreffen im zeitlichen Verlauf bis zum Turnierende fest, wobei der Zeitplan der einzelnen Runden wie folgt ausschaut.

Die teilnehmenden Großmeister befinden sich aktuell in höchst unterschiedlicher Form, wie die internationalen Turnierergebnisse und Einsätze der Spieler in der Schach-Bundesliga am vergangenen Wochenende gezeigt haben.

Der heimliche Star der Großmeistertage, GM Viktor Kortchnoi, ist derzeit für die Nationalmannschaft der Schweiz bei der Europameisterschaft der Senioren in Dresden im Einsatz. Dort belegt er aktuell mit dem schweizerischem Team, das an Position drei gesetzt ist, bei Halbzeit nach vier von acht zu spielenden Runden den 13. Platz. Titelverteidiger Deutschland mit Großmeister Wolfgang Uhlmann am Spitzenbrett liegt derzeit auf dem aussichtsreichen zweiten Platz. Eine große Überraschung war dabei die Niederlage Viktor Kortchnois gegen den Finnen Hans Westerinen in Runde drei bei gleichzeitigem Mannschaftssieg Finnlands von 3:1. In Runde vier fand Kortchnoi zu bewährter Stärke zurück und schlug Otto Rost van Tonningen aus Holland und steuerte dabei einen wichtigen Punkt zum 3,5:0,5-Mannschaftserfolg der Schweizer bei.

In der letzten Woche hat Bundestrainer GM Uwe Bönsch die Mitglieder der deutschen Schach-Nationalmannschaft für die Schacholympiade, die vom 20.05.-04.06.2006 in Turin stattfinden wird, bekannt gegeben. Es ist eine internationale Besonderheit, dass die Sportart Schach, die beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) den Status „recognized sport“ inne hat, ihre eigenen Olympischen Spiele, die sog. Schach-Olympiade, ausrichten darf. Mit GM Jan Gustafsson und GM Artur Jussupow sind zwei aktuelle Mitglieder der deutschen Olympiamannschaft für Turin in der Pulvermühle am Start. Dabei hinterließ Artur Jussupow bei den Deutschen Meisterschaften, die am letzten Wochenende in Osterburg zu Ende gegangen sind, den stärksten Eindruck. Punkgleich, aber mit der schlechteren Feinwertung belegte er den geteilten 3. Platz hinter GM Thomas Luther und GM Vitaly Kunin. Drei weitere Teilnehmer der Großmeistertage waren ebenfalls in Osterburg am Start, wobei GM Michael Prusikin vom TSV Bindlach-Aktionär und GM David Baramidze, der für SG 1868 Aljechin Solingen e.V in der Bundesliga spielt, mit jeweils 5,5 Punkten die Plätze acht bzw. zehn belegten. GM Jan Gustafsson vom Hamburger Schachklub und Titelverteidiger in der Pulvermühle kam als deutscher Vizemeister des Jahres 2005 mit 5 Punkten nicht über einen für seine Spielstärke unbefriedigenden 13. Platz hinaus. Es wird interessant sein, wie der junge ehrgeizige Nationalspieler sich während der Großmeistertage für diese Schmach rehabilitieren wird.

Auch in organisatorischer Hinsicht gibt es bereits Erfreuliches zu berichten. Die seit 25.1.2006 online geschaltete Homepage der Großmeistertage www.pulvermuehle2006.steffans-schachseiten.de wartet täglich mit brandaktuellen Meldungen auf und kann bereits vor Beginn der Veranstaltung hohe Zugriffsfrequenzen vermelden. Damit stehen die Chancen gut, dass die Rekordmarke der Großmeistertage 2004 mit knapp 50 000 Zugriffen bei der diesjährigen dritten Auflage übertroffen wird. Zusätzliche Attraktivität und weltweite Zugriffe versprechen sich die Organisatoren von der täglichen Live-Übertragung aller Partien des Großmeisterturniers auf der Homepage, so dass man auf die Gesamtsumme der Hits am Ende des Turniers gespannt sein darf.


Bericht – Runde 1

Die Pulvermühle – Treffpunkt von Klassik, Moderne und Zukunft

Vieles wirkt wie bei einem Turnier aus dem vorigen Jahrhundert. Nicht nur die Spielernamen Viktor Kortchnoi und Artur Jussupow erinnern an das hochklassige Schach aus früheren Zeiten. Auch die klassische Turnierbedenkzeit verspricht ruhig ausgetragene, aber doch scharf gespielte Partien. Die ruhige, abgeschiedene Lage des Turniers konzentriert die Spannung noch: hier dreht sich alles um pures Schach.

Natürlich spielt dabei auch die erinnerungsschwere „Pulvermühle“ eine Rolle. Namen wir Michail Botvinnik, Bobby Fischer, Lothar Schmid und Wolfgang Unzicker sind mit der Geschichte dieses Hauses verbunden; und diese Verbundenheit mit ihrer Vergangenheit wird von der Familie Bezold auch liebevoll gepflegt.

Auf der Höhe der Zeit

Aber ohne diese schon würdevolle Stimmung zu stören, mischt sich auch die Gegenwart ein: „natürlich“ sind die Partien online im Internet, selbstverständlich deckt eine aktuelle Berichterstattung das Interesse von Schachspielern aus der ganzen Welt ab. Dieses zweitstärkste Großmeister-Turnier Deutschlands hat schon am ersten Tag 1.000 Zugriffe im Web erfahren.

Im Nebenraum analysiert Klaus Bischoff live und mit zeitgemäßer Technik die Partien. Die Zuschauer wechseln zwar zwischendurch einmal in den Turniersaal, um die Atmosphäre zu schnuppern. Aber meistens bleiben sie dem launig und kompetent kommentierenden Großmeister treu.

Auf dem Sprung

Aber der besondere Dreiklang des Turniers in der Pulvermühle zeigt sich erst bei einem Blick auf die Teilnehmer. Die Nachwuchshoffnungen des Deutschen Schachs Arik Braun und David Baramidze sind ebenso am Start wie Kateryna Lahno. Die 16jährige Europameisterin träumt sicher ein wenig davon, es den beiden letzten Teilnehmerinnen der Fränkischen Großmeistertage gleichzutun: sowohl Zhu Chen (2000) als auch Antoneata Stefanova (2004) konnten kurz nach ihrer Feuerprobe in Franken den Weltmeistertitel erlangen.

Partien

Es sieht immer so leicht aus. Jeder Zug ist selbstverständlich, die Stellung entwickelt sich einfach stark weiter. So ist das, wenn ein wirklicher Könner den Figuren Leben einhaucht. Ganz klar verliefen die beiden Weißsiege aus der Sicht des Beobachters. Viktor Kortchnoi überspielte Kateryna Lahno, als wäre es keine Schwierigkeit. Im passenden Moment öffnete er die Stellung, gewann einen vorwitzigen Bauern und verwandelte ihn im Endspiel mit Leichtigkeit zu einem Sieg.

Auch Jan Gustafsson konnte seinen Gegner David Baramidze förmlich überrennen. Gerade, als das Publikum schon meinte, David hätte eine Festung errichtet, knackte Jan mit einem von langer Hand geplanten Doppelopfer die schwarze Stellung.

Trainer gegen Schüler. So könnte man das Duell zwischen IM Arik Braun und GM Michael Bezold beschreiben. Der Lokalmatador wählte eine für ihn ungewöhnliche Variante in der Bogoindischen Verteidigung. Es erschien anfangs seltsam, dass Schwarz mit seinem c-Bauern auf b4 auftauchte. Aber nach und nach bekam Bezold die Stellung unter Kontrolle, ohne jedoch wirklich Vorteil zu haben. Weiß ließ nichts anbrennen und hielt die Stellung geschlossen. Die optisch schönen Springer stehen gut, drohen aber wenig, so dass eine Punkteteilung die logische Konsequenz war.

Ebenfalls in der Remishafen liefen der Bindlacher GM Michael Prusikin und GM Artur Jussupow. Der Franke opferte für ein schönes Zentrum einen Bauern. Jussupow konsolidierte seine Position aber immer mehr und gerade als beide Spieler vor dem Scheideweg standen, etwas zu riskieren, wurde Remis vereinbart. Die längste Partie des Tages fand dann wieder einen Sieger. Nach sehr wechselhaften Verlauf konnte der Slowake Jan Markos den Österreicher Valery Atlas niederringen. Zunächst sah es nach einem klaren Sieg für Schwarz (Markos), der ein typisches Bauernopfer anbrachte, um sich die schwarzen Felder im Zentrum zu sichern. Er gewann die Qualität, spielte aber nicht zielstrebig genug auf Sieg , sondern fand sich zwar immer noch mit Mehrqualität, aber schon gegen zwei Bauern wider. Atlas lehnte sogar ein Remisangebot ab, überreizte seine Stellung, indem er auf seinen Freibauern in der d-Linie setzte. Markos opferte einfach seinen Läufer für diesen Umwandlungskandidaten und führte seine Freibauern unterstützt von Turm und König zum vollen Punkt.

Damit gab es am ersten Tag drei entschiedene Partien.

Im Kandidaten-Wettkampf fiel die Entscheidung in der Zeitnot. IM Yochanan Afek hatte bis dahin einen ordentlichen Vorteil und wollte ihn zu einem Sieg verdichten. Aber irgendwie entglitt ihm dabei die Kontrolle über die schwarzen Türme, so dass plötzlich Axel Heinz mit entscheidenden Drohungen in Vorteil kam.

Bericht – Runde 2

Artur Jussupow bezwingt Viktor Kortchnoi

Die Runde zwei der dritten Internationalen Fränkischen Großmeistertage bescherte den zahlreichen Zuschauern in der Pulvermühle Schach vom Feinsten. Die Spitzenpartie fand zwischen den Weltklassespielern Artur Jussupow und Viktor Kortchnoi statt. Nach ausgeglichenem Eröffnungsverlauf gelang dem deutschen Nationalspieler der Turmdurchbruch auf der C-Linie, den Viktor Kortchnoi durch eine Mattdrohung zu parieren versuchte. Nach einer Abtauschaktion mit Materialverlust war aber auch dieser letzte Ausweg zunichte gemacht und Jussupow konnte die Aufgabe Kortchnois entgegen nehmen.

Europameisterin Ekateryna Lahno aus der Ukraine zeigte sich von der Auftaktniederlage unbeeindruckt und erspielte sich ein nie gefährdetes Remis gegen IM Valeri Atlas.

Der Hamburger Großmeister Jan Gustafsson musste sich mit der deutschen Nachwuchshoffnung Arik Braun auseinandersetzen. Dabei gelang es Gustafsson mit Weiß seinen Anzugsvorteil in einen druckvollen Angriff umzuwandeln. Der junge Backnanger verteidigte sich aber geschickt und konnte alle Mattdrohungen abwenden. Nach einer klärenden Abtauschaktion entstand eine Endspielsituation, die für keinen der beiden zu gewinnen war. Folgerichtig einigte man sich auf ein Remis, das für Arik Braun eine bemerkenswerte Leistung bedeutet.

Eine spannende Partie lieferten sich auch David Baramidze und Jan Markos. Nach dem Damentausch entstand eine optische Überlegenheit für Baramidze, aber der Slowake verstand es immer wieder keinen entscheidenden Vorteil seines Gegners zuzulassen. Am Ende stand ein Remis zu Buche, über das beide nicht allzu glücklich sein dürften.

Das längste Match des Tages war das Lokalderby zwischen den Großmeistern Michael Bezold, der für den SC Noris Tarrasch Nürnberg spielt, und Michael Prusikin vom TSV Bindlach-Aktionär. Nach unübersichtlicher Eröffnungsphase und komplexer Spielentwicklung kam der Lokalmatador immer stärker ins Hintertreffen. Als er einen Springer opfern musste, um eine Damenumwandlung zu verhindern, war das Spiel so gut wie verloren. Zwar leistete Bezold noch zähen Widerstand, musste am Ende aber die technisch saubere Endspielabwicklung von Prusikin anerkennen und die Partie aufgeben.

Nach der zweiten Runde besitzt keiner der Teilnehmer mehr eine „weiße Weste“, es führen mit je 1,5 Punkten Jussupow, Prusikin, Gustafsson und Markos.

Im zweiten Qualifikationsmatch des Rahmenprogramms zwischen Yochanon Afek und Axel Heinz gelang dem Israeli die Revanche für die gestrige Auftaktniederlage. Im Mittelspiel zauberte Afek einen Angriff auf´s Brett, gegen den der Bindlacher kein Gegenmittel fand. Relativ schnell musste er dann die Segel streichen.

In der dritten Runde am Rosenmontag kommt es zu einem attraktiven Match, wenn Ex-Vizeweltmeister Viktor Kortschnoi mit Weiß Großmeister Michael Bezold herausfordert.

Bericht – Runde 3

Beide Jans liegen gleichauf – nach ganz unterschiedlichen Partien

Jan Markos und Jan Gustafsson teilen sich nach drei Runden mit zweieinhalb Punkten den ersten Platz. Dabei zeigt der Deutsche Nationalspieler „Gusti“ eine durchgehend starke, runde Leistung, während der junger Slowake auf krummen Wegen zum Ziel kam.

Mit den schwarzen Steinen hat Jan Gustafsson gegen Michael Prusikin aus der Rückhand spielen müssen. Aber früh bekam er gleichwertiges Spiel, um dann mit einem langfristig angelegt Materialopfer das weiße Zentrum zu zerstören. Die größere Aktivität zahlte sich in der Folge aus, bis Michael die Zugmöglichkeiten ausgingen und er sich in das Unvermeidliche ergab.

Jan Markos hingegen hatte eine schwierige Stellung gegen Katherina Lahno. Es passte nicht viel zusammen – bis die junge Europameisterin im 19ten Zug den leichten Sieg mit Lxf3 ausließ und vom rechten Weg abkam. Im 26sten Zug bog sie dann noch auf die Verliererstraße ein, und das sogar mit einer Abkürzung.

Herzschlagfinale mit Friedensschluss

Wirklich korrekte Partien entwickeln ihre Schönheit und Dramatik erst, wenn man ihnen in gründlicher Analyse die Feinheiten entlockt. Bei dem großen Kämpfer Viktor Kortchnoi steht jedoch der Spaß am Fight in Vordergrund; er legt seine Partie auf Biegen und Brechen an.

Michael Bezold kam das heute sehr gelegen. Kortchnoi wählte eine leicht ungesunde Partieanlage und schwächte seine eigene Stellung kompromisslos. Dies schuf freie Felder für Michaels starken Springer. Der Vorteil wuchs, und Michael spielte kraftvoll – bis zum 39sten Zug. Der Jüngere war jetzt wohl ermattet, griff fehl und übersah den kurzen Weg zum Sieg. Dadurch verunsichert, reihte Michael bei hohem Zeitverbrauch weitere Ungenauigkeiten aneinander. Kurz vor Schluss hatte Michael immer noch Siegversprechenden Vorteil, wickelte jedoch bei nur noch vier Sekunden unter Bauerntausch in das Endspiel Turm und Springer gegen Turm ab. Kortchnoi lachte nach dem Remisangebot erst und sagte: „Vier Sekunden, vier Sekunden“. Die Stimmung war sehr spannungsgeladen: was macht der alte Kämpe nun? Spielt er auf Zeitüberschreitung oder akzeptiert er das Angebot? Applaus brandete auf, als er dann schnell seine Hand zum Friedensschluss reichte.

Remisen im Vorbeigehen

Die beiden anderen Remisen blieben ohne großen Widerhall. Valery Atlas und Artur Jussupow konnten nach schnellem Remis erst in der gemeinsamen Analyse Spaß an der – leider nicht mehr gespielten – Partie gewinnen. Und im Duell der beiden Alterskollegen David Baramidze und Arik Braun ergab sich ein spannungsloses Remis. So ergeht es den beiden öfter; sie scheinen beide sehr viel Respekt voreinander zu haben.

Afek setzt sich wiederum durch

Seinen zweiten Sieg in Folge erzielte im Qualifikationsmatch Yochanan Afek. Axel Heinz merkte anschließend selbstkritisch an, dass er seinen wichtigen Verteidigungsläufer vom Königsflügel abgezogen hatte. Afek widerlegte ihm dies konsequent und zerbeulte die schwarze Königsstellung nachhaltig.

Bericht – Runde 4

Titelverteidiger liegt in Führung – Europameisterin abgeschlagen – Bezold gewinnt

Die Ergebnisse der vierten Runde der dritten Internationalen Fränkischen Großmeistertage haben das Teilnehmerfeld weiter sortiert. Während Titelverteidiger Jan Gustafsson durch ein Remis gegen Altmeister Viktor Kortchnoi seine Führung im Zehnerfeld behaupten konnte, rutschte Europameisterin Ekateryna Lahno durch ihre dritte Niederlage auf den letzten Platz ab. Michael Bezold konnte mit seinem wichtigen Weißsieg gegen IM Valeri Atlas wieder Anschluss ans Mittelfeld herstellen.

Die Partien im einzelnen:

Zweifelsohne war die Paarung zwischen der Setzlisten-Nr. 1 Jan Gustafsson und Viktor Kortchnoi das Topspiel der vierten Runde. In der Anfangsphase der Nimzowitsch-Indischen Verteidigung ergeben sich noch keine Spannungspunkte. Jan Gustafsson kann sich in der halboffenen Stellung das Läuferpaar sicher und erreichte leichte, aber dauerhafte Initiative. Nach dem starken schwarzen 24. Zug …e4 hat der Hamburger jedoch einen Großteil seines Vorteils wieder eingebüßt. Kortchnois Angebot zur Punkteteilung nahm Gustafsson an. Ein Remis, aber beileibe kein spannungsloses!

Europameisterin Ekateryna Lahno stand nach zwei Niederlagen bereits mit dem Rücken zur Wand, weshalb sie wohl den englischen Angriff von GM David Baramidze mit der Najdorf-Variante im Sizilianer erwiderte. Kateryna spielte auf Angriff und bot ein vergiftetes Turmopfer auf a2 an, das Baramidze aber nicht annahm. Vielmehr gelang es ihm, seinen eigenen Aufbau auf der anderen Bretthälfte zu forcieren. Ein Freibauer und das Läuferpaar Baramidzes machten Lahno das Leben schwer. Zwar opferte sie noch einen Bauern, um den sofortigen Verlust abzuwenden, doch am Ende musste sie die dritte Niederlage im vierten Match quittieren, was sie aussichtslos auf den letzten Tabellenplatz zurückwirft.

Lokalmatador Michael Bezold hielt sich nicht lange mit der Vorbereitung auf, sondern blies mit dem scharfen Vormarsch seines h-Bauern gleich zum Angriff. Valery Atlas brütete fast 30 Minuten an seinem Verteidigungszug, um drohende Mattbilder auf h7zu verhindern. Im Kommentatorraum um Großmeister Klaus Bischoff waren sich alle einig, dass Atlas die Drohungen am Königsflügel nicht lange aushalten könne. Obwohl Bezold nicht die beste Zugfolge ( 17. Txh7!!! ) entdeckte, gewann er in der Folge trocken eine Figur und bog auf die Siegerstrasse ein. Mit materiellem Übergewicht spielte er technisch sauber die Partie zu Ende und konnte den ersten Sieg verbuchen.

In der Partie Arik Braun gegen Michael Prusikin ergaben sich nach 4. f3 die etwas antipositionelle Stellungsbilder, die besonders Arik Braun liegen. Michael Prusikin hatte Schwierigkeiten, leitete aber mit 13….f5 einen Gegenangriff ein, den Arik Braun später durch Schlagen des Bauern b7 mit Mattdrohung zu entkommen hoffte. Prusikin konterte, indem er die Dame opferte und dabei von der Grundreihenschwäche Brauns profitierte und so die Partie für sich entscheiden konnte.

Artur Jussupow erhielt vom überraschend stark aufspielenden Slowaken IM Jan Markos ein verstecktes Remisangebot durch mögliche Zugwiederholung, das der Routinier nach einer Stunde Spielzeit aber ausschlug. Jussupow besaß zwar leichte Initiative, die Stellung war aber insgesamt ausgeglichen. Nach einigen Scharmützeln einigen sich beide auf ein Unentschieden.

Im Match Heinz – Afek kämpfte der junge Bindlacher um den möglichen Ausgleich im Rahmenprogramm über vier Partien. Die Stellung selbst gab Weiß jedoch nicht viel Vorteil. Mit Lf1-e2 und Le2-d3 gestand Axel Heinz indirekt das Scheitern seines Eröffnungskonzeptes ein! Die Lage war zu diesem Zeitpunkt bereits kritisch. Nach 18 Zügen ist das Remis perfekt. Vermutlich wollte Yochanan Afek sich auf keine weiteren Experimente einlassen und den Gesamtsieg durch das Unentschieden mit 2,5 zu 1,5 Punkten sichern.

Bericht – Runde 5

Jussupow schlägt Europameisterin – Michael Bezold entzaubert Jan Markos

Nach der fünften von neun Runden der dritten Internationalen Fränkischen Großmeistertage liegen Jan Gustafsson und Artur Jussupow mit 3,5 Punkten in Front. Durch seinen zweiten Sieg in Folge und nun 3,0 Punkten hat sich Michael Bezold an das Spitzenpaar herangepirscht. Ebenfalls drei Zähler weisen die beiden Bindlacher Michael Prusikin und Jan Markos auf. Altmeister Viktor Kortchnoi, mit 2,5 Punkten auf Platz sechs positioniert, meinte schon, dass er das Turnier wohl nicht gewinnen werde. Der Sieger dürfte einer aus den genannten fünf werden. Bei noch vier ausstehenden Runden kann von einer Vorentscheidung noch keine Rede sein.

Auch die Remisen können spannend sein

Drei Unentschieden brachte die fünfte Runde. Nichtsdestotrotz saßen die Spieler hoch angespannt am Brett und sie versuchten alles aus den Stellungen heraus zu holen. Selbst die beiden frühen Remisen kamen erst nach drei Stunden zustande. Valeri Atlas als Weißer spielte gegen Jan Gustafsson die Eröffnung ein wenig farblos- und ideenlos. Dieser wiederum baute eine sehr stabile Stellung auf. Für beide hätte ein Angriff eine gefährliche Einladung zum Konter bedeutet, weshalb man sich schließlich friedlich die Punkte teilte. Auch Michael Prusikin und David Baramidze erreichten nach komplizierter Partie das Endspiel. Hier waren die Kräfteverhältnis einfach zu sehr im Gleichgewicht, als dass man Gewinnversprechende Angriffsversuche hätte starten können – Remis.

Der Bär zeigt seine Pranke

Ganz anders bei Europameisterin Ekateryna Lahno. Sie kam gegen Artur Jussupow schon früh unter Druck. Die spanische Partie war schon eine Jussupows Lieblingseröffnungungen, als Kateryna noch nicht geboren war. Diese Eröffnung gegen Artur anzusteuern, ist entweder mit Unwissen um dessen Stärke zu erklären oder mit dem großen Interesse, sich mit dem oft als Bär bezeichneten Großmeister genau auf dessen Jagdrevier auseinander zu setzen wollen. Eine schmerzhaftere Lehrstunde konnte sich das 16jährige Ausnahmetalent von dieser Begegnung wahrlich nicht erwarten – und es wurde in der Tat eine Lektion. Artur aktivierte eine Figur nach der anderen und erstürmte schließlich den weißen Königsflügel.

Den Weißen aufgelockert

Lokalmatador Michael Bezold wählte die nicht sehr häufig gespielte altindische Verteidigung als Eröffnung und hatte zu Beginn eine leicht schlechtere Stellung. Wieder war es der aktivierte h-Bauer, der die weiße Bauernstellung seines Gegenspielers am Königsfügel lockerte. Nach etwas Markos´ etwas passiver Reaktion forcierte Bezold den Angriff am Damenflügel. Jan Markos fand kein Gegenmittel und wurde schließlich Opfer seiner geschwächten schwarzen Felder.

Respektlos und respektabel

Nachwuchsstar IM Arik Braun spielte mutig und engagiert gegen Viktor Kortchnoi. Schon häufiger war zu beobachten, dass der Spieler aus der Jugend-Olympiamannschaft vor großen Namen keinen Respekt hat. Ein Qualitätsopfer brachte ihn mit dem Läuferpaar und zwei Freibauern am Damenflügel gegen Viktor Kortchnoi in eine chancenreiche Position. Aber der alte Fuchs fand eine Kontermöglichkeit und brach schließlich in die schwarze Stellung ein. Ein Damenopfer von Braun führte schließlich zu der seltenen Materialkonstellation mit einer Dame von Kortchnoi gegen das Läuferpaar mit Freibauern. Als die Sensation einer Niederlage konkreter wurde, steuerte Kortchnoi schließlich ein Dauerschach an.

Bericht – Runde 6

Ruhe vor dem Sturm – Vier Unentschieden und erster Sieg für Arik Braun

Das Spitzenspiel der sechsten Runde der dritten Internationalen Fränkischen Großmeistertage war die Partie zwischen dem deutschen Nationalspieler Michael Prusikin und Ex-Vizeweltmeister Viktor Kortchnoi. Allerdings endete die Paarung wie drei weitere im Remishafen. Die Großmeister scheinen für die drei letzten anstrengenden Runden am Wochenende nochmals Kraft schöpfen zu wollen. Im Duell der Internationalen Meister konnte der Backnanger Arik Braun den für Österreich spielenden Valeri Atlas besiegen und somit seinen ersten vollen Punktgewinn im Turnier landen.

Die Partien im einzelnen:

Im Topspiel zwischen Prusikin und Kortchnoi kam nach Zugumstellung eine Grünfeldindische Stellung auf´s Brett. Etwas überraschend ruinierte Prusikin seine starke Bauernstruktur im Zentrum freiwillig und Kortchnoi reagierte sofort: „I offer a draw“ hallt es plötzlich durch den Raum. Die vorgeschlagene Punkteteilung akzeptiert Prusikin nach kurzem, aber heftigem Generalabtausch.

Europameisterin Ekateryna Lahno verteidigt sich geschickt gegen die Angriffsbemühungen von Michael Bezold. Leider versäumt es der Oberfranke im entscheidenden Moment seinen Angriff zu forcieren, wodurch die Ukrainerin kurz Gegenspiel bekommt und ausgleichen kann. Nach knapp vier Stunden einigt man sich auf ein Unentschieden, das die Negativserie von Lahno nach drei Niederlagen in Folge beendet.

Ebenfalls Remis endet die spanische Partie zwischen David Baramidze und Altmeister Artur Jussupow. Mit einem Qualitätsopfer erobert Jussupow die d-Linie, Baramidze gelingt es aber diese nach Rückgabe der Qualität wieder zu neutralisieren. Nach weitem Figurentausch endet die Partie im Dauerschach – Remis.

Arik Braun wählt die Nimzoindische Verteidigung und mit Läuferpaar ins Mittelspiel. Nach einer Abtauschaktion gewinnt er die Qualität und kann den materiellen Vorteil zum vollen Punktgewinn ummünzen, was ihn im Gesamtklassement eine Verbesserung vom vorletzten auf den sechsten Platz einbringt.

Die längste Partie des Tages liefern sich Titelverteidiger Jan Gustafsson und der Slowake im Diensten des TSV Bindlach-Aktionär Jan Markos. In der Nimzowitsch-Indischen Dc2- Variante bot Jan Markos mit 6…b5 ein Bauernopfer, welches der Hamburger nach zehnminütiger Überlegung dankend ablehnte. In der Folge wurden im Mittelspiel bis auf Springer gegen Läufer sowie je zwei Freibauern und doppelter Bauernopposition alle Figuren abgetauscht. Nach fast sechsstündigem Kampf mussten die Kontrahenten eingestehen, dass die Partie für keinen zu gewinnen ist und sich mit einer Punkteteilung zufrieden geben.

Im Gesamtklassement hat sich durch die vier Remisen an der Spitze keine Veränderung ergeben. Es führen mit jeweils vier Punkten Jan Gustafsson und Artur Jussupow gefolgt von einem Trio mit 3,5 Punkten (Prusikin, Bezold, Markos).

Bericht – Runde 7
 

Jussupow besiegt Michael Bezold und übernimmt die alleinige Tabellenführung

Mit seinem Sieg im Spitzenspiel der siebten Runde gegen Michael Bezold hat Großmeister Artur Jussupow die alleinige Tabellenführung bei den dritten Internationalen Fränkischen Großmeistertagen übernommen. Dabei profitierte er vom Punktverlust Gustafssons, der nicht über eine Punkteteilung gegen Europameisterin Ekateryna Lahno hinauskam.  Ex-Vizeweltmeister Viktor Kortchnoi konnte seinen zweiten Sieg gegen David Baramidze landen.  Die Partien Valeri Atlas gegen Michael Prusikin und Jan Markos gegen Arik Braun endeten beide unentschieden.  Axel Heinz gleicht im Mimimatch gegen Ilja Bremer aus.

Kampf im Schneegestöber

Die Landschaft vor der Pulvermühle sieht zuckersüß und friedlich aus; aber drinnen werden die Schachpartien auf Biegen und Brechen gespielt. Jeder einzelne versuchte heute mit Kraft, seinem persönlichen Ziel näher zu kommen. Das bei Spielern auf diesem Niveau ab und zu trotzdem nur eine Punkteteilung heraus kommt, spricht gerade für die Klasse des Teilnehmerfeldes!

Artur Jussupow setzt sich an die Spitze

Textfeld: Bulletin 7
Als erster beendete Michael Bezold nach dreieinhalb Stunden Spielzeit seine Partie – durch Gratulation an den Sieger Artur Jussupow. Artur setzte die Verteidigungsstellung von Michael beharrlich und kräftig unter Druck; der Punkt war hart erarbeitet und gut verdient.

Damit hat Artur sich zwei Runden vor Schluss mit einem halben Punkt Vorsprung in einer gute Position gebracht. Aber heute, im Duell gegen den direkten Verfolger Jan Gustafsson, kommt es voraussichtlich zur Vorentscheidung.

Jan bleibt dran

Der Titelverteidiger musste heute mit den schwarzen Steinen gegen die Europameisterin Ekateryna Lahno antreten. Diese hat sich nach einer schwachen Phase wieder berappelt und spielte die Partie mutig und furchtlos. Lange befürchteten seine Anhänger eine deutliche Niederlage Jans, aber schließlich konnte er sich ein Endspiel mit „ungleichfarbigen Läufern“ retten. Diese sind unter Schachspielern schon sprichwörtlich bekannt für ihre Remistendenz, da sich ihre Wirkungsweise auf dem Brett friedlich schiedlich auf jeweils nur 32 Felder erstreckt. Auch dieses Mal erfüllten sie ihre Aufgabe und retteten Jan einen halben Punkt und den Kontakt zur Tabellenspitze.

Das ewige Duell der Youngsters

Im Duell der internationalen Meister Jan Markos und Arik Braun ging es neben der Tuchfühlung zur Spitze auch um eine mögliche Großmeister-Norm, welche bei 5,5 Punkten liegt. Vor zwei Jahren traten Jan Markos und Arik Braun im Qualifikationsturnier der Fränkischen Großmeistertage gegeneinander an. Damals gewann der Slowake 5 : 3; und auch diesmal bog er früh auf die Siegerstraße ein. Das Publikum, angeführt von dem Kommentator Großmeister Klaus Bischoff, sah auch den entscheidenden Schlag 17.Lxe6+ – nur Jan rannte anderen Zielen hinterher. Dadurch wurde die Partie spannend. In dem entstehenden Endspiel hatten sogar beide Seiten Gewinnchancen. Nach dem Remisschluss sah man die Runde der Großmeister noch lange vereint in der Analyse dieses spannenden Endspiels.

Untaugliche Versuche

Die Französische Verteidigung mit Springer c3 wird in der Begegnung zwischen Valeri Atlas und Michael Prusikin gezogen. Nach dem Damentausch entsteht eine ausgeglichene Stellung, aus der keiner gewichtige Vorteile erzielen kann. Valery Atlas erreichte mit Weiß gegen Michael Prusikin eine angenehme, vorteilhafte Stellung. Aber seine Gewinnversuche mit dem Opfer des  c2 Bauern erwiesen sich als übertrieben und gefährlich; das Remis bedeutete am Ende ein gerechtes Ergebnis.

Lehrstunde für das Talent

Altmeister gegen Nachwuchsstar – dieses Begegnung von Viktor Kortchnoi mit David Baramidze könnte auch die Überschrift für die dritte Auflage der Fränkischen Großmeistertage liefern. „Hängende Bauern“ waren das Thema der heutigen Einheit. Dieses als Schwäche bekannte Bauernpaar wurde von Kortchnoi mustergültig belagert; schulbuchmäßig wurde David zu einer zweiten Schwächung am Königsflügel gezwungen. Nachdem diese Voraussetzungen geduldig geschaffen waren, öffnete Kortchnoi die Stellung und überfiel den schwarzen König. David saß die ganze Partie konzentriert am Brett; trotzdem hatte er mehr die Rolle eines Zuschauers, als eines aktiven Parts in dieser Vorstellung.

Ausgleich zwischen Heinz und Brener

Im Mimimatch zwischen Axel Heinz und Ilja Brener wurde bereits am Vormittag die zweite Partie gespielt, die im Sizilianer zu einem Remis führte. Das dritte Spiel konnte Axel Heinz für sich entscheiden. Nachdem sein Angriff im Zentrum durchschlagende Wirkung entfaltete, gab Bremer die Partie auf.

Bericht – Runde 8

Spitzenspiel Jussupow gegen Gustafsson Remis – Erster Sieg für Europameisterin Kateryna Lahno

Vier entschiedene Partien am vorletzten Spieltag demonstrierten nochmals nachdrücklich die Kampfbereitschaft der Teilnehmer. Lediglich das Spitzenspiel der achten Runde der dritten Internationalen Fränkischen Großmeistertage zwischen den beiden Führenden Artur Jussupow und Jan Gustafsson endete, wie zu erwarten war, nach kurzem Abtasten Remis. Europameisterin Lahno konnte endlich ihren ersten Sieg verbuchen, indem sie Arik Braun bezwang. Einen Prestigeerfolg landete Valeri Atlas, der Viktor Kortchnoi nach einem Marathonmatch über 90 Züge niederrang.

Artur Jussupow behauptet die Führung

„Gegen einen Artur Jussupow gewinnt man nicht, wenn er es nicht will“, so die Einschätzung von Valery Atlas zur Partie der beiden Führenden Jan Gustafsson und Artur Jussupow. Beide tasteten sich ab, erkannten aber keine Schwäche in dem Aufbau des Kontrahenten und einigten sich im bereits im 23. Zug friedlich auf ein Unentschieden. Jussupow festigte damit seinen Spitzenrang mit einem halben Punkt Vorsprung auf Jan Gustafsson, der mit 5,0 Zählern den zweiten Platz absichert.

Vier entschiedene Partien

Einen Höllenritt unternahmen Arik Braun und Jekaterina Lahno in Folge der Nimzoindischen Dc2-Verteidigung . Lahno dringt in die Stellung des Weißen ein, um Material zu fischen. Braun hingegen läuft mit seinem König vorwitzig nach g3. Wegen seiner geringen Bedenkzeitverbrauchs tippte das staunende Publikum auf eine perfekte Vorbereitung der deutschen Nachwuchshoffnung. Aber ganz im Gegenteil, nach 17…Te8 stand Arik mit recht kurzem Hemd da. Die Europameisterin konnte ihre Stellung schnell konsolidieren und im Endspiel ihren Qualitätsvorsprung zum Sieg ummünzen.

„Er wollte kein Risiko eingehen“

Valery Atlas schlug den Turniersenior Viktor Kortchnoi nach fast 90 Zügen. Valerys Einschätzung: „Kortchnoi stand besser, aber er wollte ohne Risiko gewinnen. Das klappte nicht.“ Ein Qualitätsopfer brachte die endgültige Wende, anschließend war der schwarze Freibauer Spiel entscheidend. In dem Endspiel hat sich Kortchnoi zäh, aber vergeblich verteidigt. Für Kortchnoi war es die 17. Partie in 17 Tagen, eine unglaubliche Kraftleistung der 74jährigen „lebenden Schachlegende“.

In der Partie Michael Bezold gegen seinen einstigen Schützling David Baramidze kam der ehemalige Bundesnachwuchstrainer schlechter aus der Eröffnung. Seine beliebte Spielanlage, mit defensiver Stellung zur rechten Zeit zu kontern, ist diesmal nicht gelungen. Baramidze trug seinen Angriff konsequent vor und Bezold musste die dritte Niederlage im Turnier quittieren.

Im Duell der beiden Bindlacher Bundesligaspieler gelang Michael Prusikin gegen Jan Markos eine saubere Positionspartie. Er lavierte an beiden Flügeln, schwächte die schwarze Bauernstellung systematisch und drang schließlich entscheidend in die Verteidigungsstellung vor. Damit zerstörte er die letzte Hoffnung des jungen Slowaken auf die in Reichweite liegende Großmeisternorm. Prusikin konnte mit dem Sieg seinen dritten Platz festigen und hat in der letzten Runde sogar noch die Chance auf eine Verbesserung im Endklassement.

Ausgleich im Qualifikationsturnier

Die beiden Nachwuchsspieler Axel Heinz und Ilja Brener brachten heute ohne ein Risiko einzugehen die halben Punkte sicher nach Hause. Eine Niederlage wollte keiner riskieren, nach 36 Zügen wurde die Punkteteilung vereinbart. Damit endet das über vier Partien angelegte Minimatch insgesamt leistungsgerecht 2:2.

Vor der letzten Runde am Sonntag können noch drei Spieler die Großmeistertage gewinnen, wobei Artur Jussupow mit einem halbem Zähler Vorsprung die besten Perspektiven besitzt.

Bericht – Runde 9

Jan Gustafsson gewinnt die 3. Internationale Fränkischen Großmeistertage

Drei punktgleiche Sieger sah der Zieleinlauf der 3. Fränkischen Großmeistertage.

Bulletin 9
Ungeschlagen blieben Titelverteidiger Jan Gustafsson (Foto) und sein Teamkollege aus der Deutschen Nationalmannschaft, Artur Jussupow. Drei Siege genügten ihnen in dem ausgeglichenen Teilnehmerfeld, um sich den ersten Rang zu teilen. Gustafsson hatte schließlich die bessere Sonneborn-Berger-Wertung auf seiner Seite. Auf dem dritten Rang landete mit vier Siegen Michael Prusikin.

Entscheidung erst mit den letzten Zügen

Jan Gustafsson schätzt seine Partie gegen Michael Bezold als sehr schwierig ein. „Nach 19…f5 stand ich wohl auf Verlust, aber mit 27…Dxe3 konnte ich mich wieder freischwimmen“. Michael verlor dann noch das Endspiel mit einem Minusbauern. Dieser Sieg in der vorletzten Partie des Turniers brachte Jan den Turniersieg, denn gleichzeitig „begnügte“ sich Artur Jussupow mit einem Remis. Die Partie gegen Arik Braun war durchaus offen angelegt, aber Arik fand mit aktivem Gegenspiel eine ausreichende Verteidigung.

Michael Prusikin und Katerina Lahno spielten eine zähe, lange Partie. Erst schien die Ukrainerin Vorteile zu haben, dann der Deutsche. Das Endspiel wurde schließlich nach sechs Stunden und vielen Versuchen und Anstrengungen von Michael gewonnen. Damit kämpfte er sich im Endspurt auf den dritten Rang vor.

Mittägliche Remisen

Valery Atlas steuerte zu seinem Turnierergebnis noch ein Weißremis gegen David Baramidze bei. Die Partie war nicht unspannend, kam aber im Mittelspiel zu einem plötzlichen Ende.

Das Remis von Jan Markos gegen Viktor Kortchnoi entstand erst im Bauernendspiel. Kortchnoi verteidigte die schwarze Stellung sauber und konnte sich damit 50% sichern. Für ihn wäre möglicherweise in diesem Turnier mehr drin gewesen, wenn er nicht vor diesen neun anstrengenden Partien schon acht weitere bei der Europäischen Mannschaftsmeisterschaft absolviert hätte.

Was bleibt von den 3. Fränkischen Großmeistertagen?

Das Turnier mit seiner besonderen Zusammensetzung wird in der Schachwelt noch lange in Erinnerung bleiben. Vor allem natürlich denjenigen, die live vor Ort die Spieler, ihre Partien und die Atmosphäre der Pulvermühle im Schnee miterlebt haben – darunter circa 100 Besuchern täglich, die den Weg zur Pulvermühlen fanden. Und die große Resonanz im Internet mit ca. 50.000 Lesern alleine auf der offiziellen Turnierseite zeigte das große internationale Interesse.

Ein paar Momenteindrücke bleiben haften: von Viktor Kortchnoi, der sich sofort nach der Partie – wenn er sie nicht verloren hat – in eine ausführliche Analyse stürzt. Er liebt das Schach – aber er haßt es, zu verlieren.

David und Arik, die stundenlang und begeistert miteinander Schachvariationen spielen, prägen sich als Bild ein. Über allem schwebt die sehr freundliche, unbelastete Stimmung unter den Spielern, die aber einer wilden Entschlossenheit und hohen Konzentration Platz macht, sobald die Partie beginnt.

Die Spieler werden sich natürlich sehr stark an ihre eigenen Leistungen erinnern; jeder nimmt also seine ganz eigene Bilanz mit nach Hause. Aber uns allen gemeinsam hat sich die hervorragende Gastfreundlichkeit und die sehr gute Küche in der Pulvermühle eingeprägt.


Die jungen Wilden und die Schach-Legende

Bei den Internationalen Fränkischen Großmeistertagen in Waischenfeld dreht sich (fast) alles um Altmeister Viktor Kortchnoi

REPORTAGE VON JAN FISCHER (Frankenpost)

Egal, wer am Sonntag die dritte Auflage der Internationalen Fränkischen Großmeistertage in Waischenfeld gewinnen wird: Viktor Kortchnoi ist der uneingeschränkte Star des hochkarätig besetzten Schachturniers in der Fränkischen Schweiz. Der 74-Jährige ist eine lebende Schach-Legende, die Denksport-Fans haut- und bisweilen volksnah erleben können.

„Kortchnoi ist mein absolutes Vorbild.“ So wie dem Bindlacher Jugendspieler Michael Herrmann geht es vielen, die in diesen Tagen in die „Pulvermühle“ kommen. Sie möchten „Viktor den Schrecklichen“ live sehen. Schon am Wochenende erwies sich Kortchnoi als Besuchermagnet: Über 200 Kiebitze waren bei den ersten beiden Runden dabei, standen dicht an dicht im Turniersaal oder verfolgten im Raum nebenan die Kommentare von Großmeister Klaus Bischoff.

Auch unter der Woche reißt das Interesse nicht ab. Einige dutzend Zuschauer recken die Hälse, die Blicke richten sich vor allem auf das Brett, an dem Viktor Kortchnoi spielt. 3000 Besucher klicken tagtäglich auf die weltweite Live-Übertragung im Internet – Tendenz steigend. Dass noch neun andere Schach-Strategen um den Turniersieg kämpfen, scheint fast zur Nebensache zu geraten – auch wenn das internationale Feld mit bekannten Namen wie Artur Jussupow, Jan Gustafsson oder dem Waischenfelder Michael Bezold gespickt ist. Noch bis Sonntag dreht sich (fast) alles um Kortchnoi.

Bretter frei für Runde vier. Viktor Kortchnoi muss gegen Jan Gustafsson antreten. Mit den schwarzen Steinen geht’s gegen den Turniersieger von 2004. Der Altmeister ist im Zugzwang: Nur 1,5 Punkte hat er aus den ersten drei Partien geholt – der 26-jährige Gustafsson hat bereits 2,5 Zähler auf dem Konto.

Doch nicht Kortchnoi macht zunächst das Spiel, sondern der Gegner, der sein Enkel sein könnte. Aus der Nimzoindischen Eröffnung kommt Gustafsson besser heraus. Kortchnoi lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen: Er verschränkt die Arme, stützt den Kopf auf die Hände, lehnt sich zurück. Überlegen sitzt er da, faltet die Hände, würdigt seinen Kontrahenten kaum eines Blickes. Die Augen fixieren ständig das Brett. Kortchnoi ist in seine Partie vertieft. Die leisen Schritte der Zuschauer, die sanft surrenden Computer – er nimmt sie nicht wahr.

In Sichtweite hat seine Frau Petra Platz genommen. Sie, seine ständige Begleiterin durch die Schachwelt, blättert im Roman „Dunkle Rosen“ von Nora Roberts. Nur selten steht sie einmal auf, schaut auf das Brett ihres Mannes. Regungslos nimmt sie zur Kenntnis, was er spielt – setzt sich wieder und liest weiter. Später greift sie zu einem Klatschblatt und löst ein paar Kreuzworträtsel.

Erst nach einer halben Stunde erhebt sich Kortchnoi erstmals von seinem gepolsterten Stuhl. An den vier anderen Partien zieht er vorbei, nur kurz sieht er sich an, was die Konkurrenz bietet. Dann ist er selbst wieder am Zug. Die Partie ist mittlerweile in etwas ruhigere Fahrwasser übergegangen. Jetzt ist Taktieren angesagt, jetzt wird gepokert – wer wagt zuerst etwas? „Das ist staubtrocken, was der spielt“, kommentiert Klaus Bischoff nebenan. „Nicht leicht für Schwarz“ sei die Partie zu spielen, meint er. Nicht leicht für Kortchnoi. Eineinhalb Stunden sind vorbei.

Thomas Bezold verfolgt das Geschehen stets aufmerksam, unaufgeregt. Er ist der „Macher“ des zweitstärksten Schach-Einladungsturniers in Deutschland. Hinter den Kulissen sorgt der Waischenfelder dafür, dass alles reibungslos läuft. Ein Großteil seiner Arbeit ist aber bereits beendet. Denn im Vorfeld des Turniers galt es, ein interessantes Teilnehmerfeld in die kleine Stadt im Landkreis Bayreuth zu locken. Der klangvolle Name Kortchnoi sollte schon bei der zweiten Auflage der Großmeistertage vor zwei Jahren die Zugnummer sein, verrät Bezold. Doch die Teilnahme scheiterte an terminlichen Problemen. „Diesmal haben wir ihn ein Jahr vorher verpflichtet.“ Der Ruf der „Pulvermühle“ als Turnierort und persönliche Gespräche mit Bezolds Bruder, Großmeister Michael, hätten den Schweizer überzeugt. Thomas Bezold freut sich über diesen Coup: „Man muss ja immer damit rechnen, dass er sich einmal vom Turnierschach zurückzieht. Andere wie Kasparow haben ja schon mit 50 aufgehört.“

Niemand aus dem fachkundigen Publikum freilich glaubt ernsthaft, dass dies Kortchnois letztes Turnier sein könnte. Dazu ist der Altmeister mit viel zu viel Engagement und Energie bei der Sache. Nach fast zwei Stunden Spielzeit spielt sich, wie an jedem Tag, ein kleines Ritual ab: Petra Kortchnoi geht zum Schiedsrichter, überreicht ihm Plätzchen und Pralinen, der Schiedsrichter bringt die Süßigkeiten zu Viktor. Der schenkt sich dazu noch Tee aus der selbst mitgebrachten Thermoskanne ein – und schaut unentwegt auf die 64 Felder.

Inzwischen ist die Partie in ein Endspiel mit Damen und Türmen gemündet. Gustafsson schnappt sich einen Bauern – ist das schon der Sieg? Doch Kortchnois Kampfgeist ist erwacht, er zwingt seinen Kontrahenten zum Rückzug. Die Partie ist wieder offen. Nach drei Stunden bietet Kortchnoi ein Remis an, Gustafsson schlägt nach kurzem Überlegen ein. Mit einem Unentschieden endet Kortchnois „Arbeitstag“.

Umlagert von Zuschauern geht’s im Nebenzimmer weiter. Die Kontrahenten spielen noch einmal die Partie nach. Gesten- und wortreich – auf Englisch – gibt Kortchnoi seine Einschätzungen zum Besten. In einer Variante sieht er Gustafsson klar im Vorteil: „Da ist nichts mehr zu machen! Was soll ich noch tun? Ich glaube, es ist verloren.“ Der Altmeister sagt’s mit einem Lächeln auf den Lippen. Wieder einmal hat er einem der „jungen Wilden“ ein Schnippchen geschlagen.

Nun ist die Zeit der Reporter und Autogrammjäger. Kortchnoi unterschreibt Bücher, Partieformulare, vermerkt das Datum darauf. Die Fans – auch Michael Herrmann – bekommen leuchtende Augen. Einer spricht den 74-Jährigen direkt an: „Herr Kortchnoi, Sie sind mein Idol. Wegen Ihnen habe ich vor 30 Jahren mit dem Schach angefangen.“


Bericht – D/C-Kaderlehrgang (DSB)
vom 23.-27.02.2006 im Rahmen der dritten Fränkischen Großmeistertage in der Pulvermühle (Waischenfeld )

Bereits traditionell treffen sich Großmeister in der legendären Pulvermühle zum Kräftemessen. Im Jahr 2000 richtete Familie Bezold zum ersten mal ein Großmeisterturnier aus. 2004 wurde die zweite Auflage bestritten und heuer trifft man sich zum dritten Turnier dieser Art. Zwischen diesen Hauptevents fanden Jugendbegegnungen und Trainingslager statt. Erinnern möchte ich an die Wettkämpfe gegen Holland und Tschechien, das Training mit Artur Jussupow und Lubomir Ftacnik, sowie das Großmeisterturnier der Jugendolympiamannschaft 2005. In diesem Jahr hatte ich parallel zum Turnier zu einem Trainingstreffen der DC-Kader eingeladen.
Am Donnerstag Abend war Anreise. Zum Auftakt demonstrierte der aktuelle Nationalspieler Jan Gustafsson aus Hamburg seine Partie aus der Bundesliga gegen den Bremer Spitzenspieler Hracek. Dabei wiederholte er fast schon flehentlich, in welch schlechter Form er derzeit sei und dass er seine Titelverteidigung (er gewann 2004 die zweite Auflage) in weiter Ferne sieht. Am Freitag begann das Gruppentraining. David Lobzhanidze aus Dresden beschäftigte sich mit dem Thema „ Vorteilserkennung/Vorteilsverwertung“. Thomas Pähtz aus Kerspleben hatte „ Hängende Bauern“ als Thema und ich referierte über die Widder-Stellung als strategisches Element.
Zur Eröffnung des Turniers am Freitag abends waren die Teilnehmerinnen und Mitglieder der Jugendolympiamannschaft Melanie Ohme und Elena Winkelmann als Gäste geladen.
Ab Sonnabend Vormittag führte der weltbekannte Studienkomponist Yochanan Afek eigene und fremde Kleinode der Endspielkunst vor. Abgesehen von der Sprachbarriere, mit der vor allem die jüngeren Teilnehmer Sebastian Kaphle und Hanna Marie Klek zu kämpfen hatten, waren alle begeistert von der Vielfalt der Ideen und dem jeder Studie innewohnenden kreativen AHA-Effekt. Am Nachmittag schlug die große Stunde des Gordon Zimmermann. Der Junge aus Greifswald hatte sich fest vorgenommen, Autogramme der Stars wie Artur Jussupow und Legende Victor Kortchnoi zu ergattern. Die Teilnehmer hospitierten bei den Partien, suchten nach eigenen Ideen und Varianten und schauten den „Großen“ bei der Analyse über die Schulter. Im Übertragungsraum wurde Chefkommentator GM Klaus Bischoff tatkräftig bei der Berechnung unterstützt. Besonders fasziniert waren alle vom grandiosen Sieg des ach so schlecht in Form befindlichen… (siehe oben) gegen David Baramidze. Am Sonntag waren wieder Studien und Trainingslektionen angesetzt und bei den abschließenden Tests am Montag ergab sich folgender Endstand:
Gesamtsieger und Sieger Strategie wurde Jugendolympiaspielerin Elena Winkelmann aus Dresden. Zweiter und Sieger Taktik/ Strategie wurde Florian Dinger. Beide erhielten ein Kortchnoi-Buch mit persönlicher Widmung.
Sieger Studien wurde Patrick Zelbel aus Dortmund. Er erhielt eine DVD der Firma Chessbase. Die Hamburger Firma unterstützt das Turnier und den Lehrgang mit Lehr- und Trainingsmaterial höchster Qualität.

Ich möchte mich bei den drei Co-Trainern Yochanan Afek, David Lobzhanidze und Thomas Pähtz für ihren Einsatz, bei den Teilnehmern für ihre Mitarbeit und (fast immer) gute Disziplin und bei Webmaster Klaus Steffan für seine schönen Fotos siehe auch www.pulvermuehle2006.steffans-schachseiten.de bedanken.

Bernd Vökler Waischenfeld 28.02.2006