Das Schachorakel von Oslo – Zeit Online von Ulrich Stock

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In der Debatte um Betrug am Brett ergreift endlich Magnus Carlsen das Wort. Er heizt die Spekulationen weiter an, indem er einen ominösen Großmeister erwähnt.

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Der junge Keymer spielte 2019 in Kartlsruhe erstmals gegen Magnus – kann mit seinem 5. Platz in der Vorrunde beim Julius Baer Generation Cup zufrieden sein / Foto Klaus Steffan

Der öffentliche Druck war wohl einfach zu groß: Am Mittwochabend hat der Schachweltmeister Magnus Carlsen dann nämlich doch noch gesprochen zu den Vorgängen, zu denen er eigentlich hatte schweigen wollen und die seit zwei Wochen die Weltpresse beschäftigen. Derzeit läuft auf der Internetplattform chess24.de der Generation Cup, bei dem arrivierte Großmeister gegen den Nachwuchs antreten. Carlsen gehört die Plattform, er selber richtet somit den Onlinewettkampf aus, der von der Schweizer Bank Julius Bär gesponsert wird.

Die Deutung überließ er der Schachwelt. Seinem Gegner wurde sofort Betrug unterstellt, ohne dass Carlsen das behauptet hätte und ohne irgendeinen Beweis. Das schlug irre Wellen, die in den „anal beads“ ihren Höhepunkt fanden, den vibrierenden, ferngesteuerten Liebeskugeln, die sich ein Betrüger in den Hintern stecken könnte, um unerkannt Impulse zu empfangen. Da die Partien ins Netz übertragen werden, würde ein Komplize von draußen per Computer und Funk gelegentlich verschlüsselte Hinweise senden, Morsezeichen für den Mors gewissermaßen. Sie sind allerdings – bislang – eine reine Erfindung. Ein Schachstreamer hatte mal laut vor sich hin überlegt, wie ein Betrug am Brett überhaupt stattfinden könnte, wenn sogar die Ohren der Meister abgescannt werden, um versenkte Hörstöpsel aufzuspüren. Da bleibt ja nicht viel. Hier weiterlesen

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Textquelle: Zeit Online / Foto: Sinquefield Cup © Grand Chess Tour