Da ist das Ding! (15. Spieltag)

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Es war eine kuriose Saison, die kürzeste der Bundesligageschichte, die erste, die in einem Fußballstadion endete. Da passt es ins Bild, dass der letzte Spieltag mit einer Kuriosität begann und mit einer endete.

Die Uhr zeigte 10, da begannen Sergey Fedorchuk (Viernheim) und Andreas Heimann (Deizisau) ihre Partie. Sofort trat Turnierdirektor Gregor Johann heran – und pfiff die beiden Großmeister zurück. Gespielt werden darf erst, wenn mindestens vier Spieler einer Mannschaft anwesend sind. Die Viernheimer, zwei Minuten verspätet, waren aber erst zu dritt, als die beiden 2600er am sechsten Brett losgespielt hatten. Johann ließ die beiden noch einmal beginnen.

Die Uhr zeigte 16.30, da spielten ein Brett weiter Arik Braun (Viernheim) und Stepan Zilka (Deizisau) immer noch. Baden-Baden stand längst als Meister fest, alle Beteiligten sehnten die Siegerehrung herbei – nur diese beiden hatten sich beim Stand von 3,5:3,5 in ein Endspiel verbissen, das Zilka mit aller Macht gewinnen wollte, so sehr, dass er am Ende aufpassen musste, mit seinem Springer gegen drei Bauern nicht zu verlieren. Die Seeschlange und mutmaßlich (?) längste Partie der Saison endete nach 156 Zügen mit einem Patt.

Baden-Baden ist Meister, zum 15. Mal in 16 Spielzeiten. Trotzdem war es wie in der Vorsaison überaus knapp und auch ein wenig glücklich. Wie sehr der SC Viernheim dem alten und neuen Titelträger im Lauf der Saison 2022 zugesetzt hat, lässt sich an den Brettpunkten ablesen: Viernheim liegt mit 83:80 vorne.

Aber eben nach Mannschaftspunkten hinten, nachdem Baden-Baden das direkte Duell am Samstag gewonnen hatte. Die vage Hoffnung, Solingen könne am Sonntag gegen Baden-Baden ein Coup gelingen, erlosch recht bald. 5,5:2,5 siegte die von Fabiano Caruana angeführte Großmeisterriege aus Baden-Baden, die eigens für die entscheidenden Kämfpe am Samstag und Sonntag Maxime Vachier-Lagrave eingeflogen hatte. Und auch der Einsatz der gerade erst beim Kandidatenturnier kämpfenden Caruana und Richard Rapport war nicht selbstverständlich. Er habe Überzeugungsarbeit leisten müssen, um die beiden gleich wieder an die Bretter zu bekommen, deutete OSG-Chef Patrick Bittner an.

Matchwinner war gleichwohl ein anderer. Francisco Vallejo Pons hatte am Samstag mit dem Gewinn eines theoretisch nicht zu gewinnenden Turmendspiels den kritischen Kampf gegen Viernheim umgebogen. Tags darauf sollte der Spanier derjenige sein, der gegen Solingens Max Warmerdam den entscheidenden Punkt zum Sieg einfuhr.

“Toller Kampfgeist”, schwärmte Bittner, der mit Begeisterung verfolgt hatte, wie sich seine Großmeister am Vortag in kritischer Lage gegen Viernheim reingebissen hatten und tags darauf gegen Solingen nichts anbrennen ließen. In dieser Saison sei es noch einmal knapper gewesen als in der vergangenen, stellte Bittner fest. “Wir lagen nach Brettpunkten hinten, das kannten wir noch nicht.” Viernheim habe im Lauf der Serie enormen Druck ausgeübt.

Obwohl es nur für Baden-Baden und Viernheim noch um etwas ging, verabschiedeten sich die Bundesligaspieler kämpferisch in die Sommerpause. Die Düsseldorfer etwa, obwohl am Vortag abgestiegen, schlugen Dresden – und hegen nun die vage Hoffnung, dass sich zur kommenden Saison eine Mannschaft aus der Bundesliga zurückzieht. Dann bliebe Düsseldorf drin. Anzeichen für einen Rückzug gibt es gleichwohl nicht.

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Text und Fotoquelle: schachbundesliga.de